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6 (1853)
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Nur der Mensch kennt dies edle Gefühl, nicht das Thier.Wer jenes Gefühl verloren, ist dem Thicrc gleich geworren,und erregt selbst den Ekel seiner frechen Sündengcnofsen. DasKind, sobald sich seine Vernunft zu entwickeln anfängt, empfindetdieses natürliche Schämen. Aeliern und Erzieher haben es nichterst anzuempfehlen, nur zu ehren, nur aufmerksam darauf zumachen.

Je größer in einem Lande das Sittenverderbniß wird, jenäher ein Volk seinem Untergänge steht, je herrschender wird dasVerbrechen der Unkeuschheit, je seltener die liebenswürdige Tugendder Schamhaftigkeit. Da sehet ihr Greise die Unschuld verhöh-nen, Vorsteher des Landes das Beispiel der Unzucht geben, Fa-inilicnglück das Spiel viehischen Leichtsinns werden, die Tugendlächerlich machen, und Kinder früh reif in den Lastern sich wälzen .vor denen ihre edlern Väter einst mit Recht erschraken.

Der Reiz der Schamhaftigkeit, dieser Zauber jugendlicherSchönheit, wodurch sie ehrwürdig wird, dieser edle Schmuck derBetagten, wodurch sie zu erkennen geben, wie sic des Herzenskindliche Einfalt und Unschuld bewahrten, ist selbst den rohenVölkern, denen nie das Wort Jesu erscholl, ein Hciligthum. Wasmuß es dem weisen Menschen, dem Christen sein! Lasset esuns gegen die Klügeleien des Lasters, gegen die Frechheit desZeitalters als ein Kleinod, das Gott gegeben, bewahren; wirwerden dadurch Hüter der häuslichen Glückseligkeit, Hüter desöffentlichen Wohlstandes, des Friedens und der Kraft unserSVaterlandes. Kennt hieniedcn der Christ als Bürger einen cr--habencrn Beruf?

Die ersten Pfeile der Zerstörung gegen die Unschuld sind gegendie Wächtern: derselben gerichtet. Ist erst die Schamhaftigkeitgewichen, dann hat die Sünde offene Straße zum unvcrtheidig-ten Herzen gefunden.