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Frechheit eine erkünstelte Frechheit zur Seite; er sucht ihre Thor-heiten, ihre Ausschweifungen, ihre Unanständigkeiten durch größerezu übertreffeu. Und das, was anfangs ihm selbst ekelhaft war,wird zuletzt ihm zur Gewohnheit; was anfangs aus Stolz er-künstelt war, wird zuletzt ihm zur Natur. Aus thörichtcr Eitel-keit wollte er unter den Schlechten nicht der Kleinste sein, undward unter den Guten der Verächtlichste.
Dieser falsche Stolz ist besonders Jünglingen eigen, welche,im Gefühl ihrer Kraft, mit Begierde, sich überall bedeutend zumachen, ohne Festigkeit der Grundsätze in die Welt treten, leicht-sinnig in der Wahl ihres Weges. Thörichtcr Ehrgeiz, welcherzur Frechheit der Sitten, zur Verwilderung des Gcmüths, zurEntnervung des Körpers, zur Entweihung eines ehrenvollenNamens, zur Schmach, oft zur verspäteten Reue und Ver-zweiflung führt.
Wer die Schamhaftigkeit, diesen Zauber der Tugend, verlor,wer rohen Sinn dem sittsamen Wesen vorzicht, ist — mag auchsein klebriges noch so rechtlich sein — in Stunden der Versuchungjeder Vergehung fähig. Denn die heilige Brustwehr der Unschuldist gebrochen, und die Seele ist ihrer stärksten Waffe gegen dieLockung des Verbrechens beraubt.
Schamhaftigkeit ist der uns inwohnendc natürliche Widerwillegegen Alles, was im Widerspruch mit der höher» Achtung steht,welche jeder Tugendhafte, jeder wahre Christ für die Reinheitseines Herzens haben soll; Widerwille und Abscheu gegen Alles,was uns Andern verächtlich und ekelhaft machen könnte; Wider-wille daher auch gegen Alles, was nicht mit dem übcrcinstimmt,was in der menschlichen Gesellschaft, was von den achtungs-würdigern Gliedern derselben für ehrbar , schicklich und anständiggehalten wird.
Aber auch diese schöne Tugend, so rein und unentweiht wir