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Daher sind gute und weise Menschen mit Recht in der Wahlihrer Vergnügungen behutsam; denn der gute Engel weint oftüber uns, wenn unser Herz sich am unbefangensten den Er-götzungen überläßt. Nicht Kummer und Verzweiflung, nicht Elendund Armuth sind der Unschuld so gefahrvoll, als die Freude,wenn sic alle Sinne berauscht und die Besonnenheit erdrückt.Da, wo im fröhlichen Getümmel Schmeichelei unsere Eitelkeitweckt, und der Gcnnß mannigfaltiger Vergnügen unsere Empfin-dungen höher stimmt und reizbarer macht, und der Sinnlichkeitdie Obergewalt cinräumt, verfliegen oft die heiligsten Vorsätze,die edelsten Gelübde, und man verzeiht sich, was wir zu andernZeiten an uns und Andern für unanständig gehalten und mitunserer tiefsten Verachtung bezeichnet haben würden. Wie oftschon schlich die Reue mit bittcrn Thräncn und hohlen Wangendem Rausch der unbändigen Vergnügungen nach! Wie leicht ver-lor da das Gemüth seine erste Reinheit, und floh die Unschuldvor dem Sturm der aufgeregte» Sinnlichkeit!!
Nicht das Vergnügen selbst streitet gegen die wahre Reli-giosität, aber das besinnungslose Hingeben in den Taumel wilderLustbarkeit. Nicht den Tanz, nicht den Becher Weines, welche»die Hand der Fröhlichkeit darbietet, untersagt uns die Tugend:wohl aber jenen Grad der Freude, in welchen wir, minder be-sonnen, die Achtung vergessen, welche wir uns selbst schuldigsind, und Pflicht haben, von Andern zu fordern. Ist einmal insolchem Taumel das Gefühl des Anständigen verletzt, die Scham-haftigkeit und Bescheidenheit vernichtet oder betäubt — welcheSchutzwehr hat dann noch die Unschuld? welches Recht habenwir dann noch auf die Achtung guter und liebenswürdiger Men-schen? Diese bemitleiden uns, und die Schlechten halten unsfür Ihresgleichen.
Du bist vielleicht bei solchen Anlässen nicht lasterhaft geworden,