Druckschrift 
6 (1853)
Seite
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auf seine Klugheit, auf günstige Umstände, und verwirrt sich zu-letzt in ein Labyrinth von Vergehungen, die er selbst nicht mehrüberschauen kann. Eine Sünde wird der andern Mutter. Sotief im Strom wird er von demselben mit hinweggewirbclt. Erwird seine Rettungslosigkeit erst mit Grausen inne, wenn er inden Strudeln untersinkt.

So wie schwerlich Jemand tugendhaft sein kann, der nichtaller Tugenden Freund ist: eben so wenig kann ein Sterblichereiner Sünde die Hand bieten, ohne ihr ganzes schwarzes Ge-folge zu umarmen. Denn wer sich einer lasterhaften Begierdehingibt, wer sich einem sogenannten Temperamentsfehlcr ohneWiderstand überläßt, der hat schon den reinen Scelcnadcl ver-loren; dem ist wahre Religiosität schon lästig; dem ist die Erin-nerung an Gott und Ewigkeit eine verdunkelte Vorstellung; demist der Gedanke an die höhere Bestimmung des menschlichen Gei-stes schon ein gleichgültiges Mährchen. Aber was hält ihn,wenn dies Alles fehlt, noch ab, sich allen übrigen Schändlich-keiten preiszugeben, die aus dem herrschend werdenden Haupt-fehler hervorqucllcn? Der stärkste Damm ist nun gebrochen;die Fluthen des Verderbens strömen herüber beim ersten Zusam-mentreffen unglücklicher Anlässe. Freilich noch wehret die Furchtvor bürgerlicher Schande und öffentlicher Bestrafung, noch wehretdie Erinnerung an guten Namen und Ansehen Vieles ab. Aberwie gebrechlich ist dieser Zaum im Rachen einer unbändigen Lei-denschaft! Zwar ist sic vielleicht noch nicht so unbändig; aberfüttere sie, und sie wird erwachsen. Zwar ist die Gefahr nochnicht groß, da du ruhig und bei deinen Fehlern sogar noch vonVielen geachtet dahin lebst: aber kennst du deine Zukunft?kennst du das furchtbare Spiel von allerlei Zufällen, die dichaus deinem Gleichgewicht heben können?

Man sagte schon von manchem ehemals geschätzten Mann: