Druckschrift 
6 (1853)
Seite
270
Einzelbild herunterladen
 

270

friedignng, in wüthcnde Laster entarteten; daß die Näschereiendes Kindes zu diebischen Versuchen des Knaben, zu verbrecheri-schen Anschlägen des kühnen Jünglings, endlich zu Straßenräu-bereien des Mannes wurden die gemeine Geschichte der mei-sten mit dem Tode bestraften Räuber und Mörder! nein, nocheine andere schreckliche Eigenschaft der Sünde ist vorhanden, näm-lich daß sie selten allein im Menschen dasteht, sondern gleich-zeitig andere Seelenübcl um sich her erzeugt, oder zu schänd-lichen Handlungen zwingt, die der Thätcr oft selbst aus Herzens-grund verabscheut.

Eine Sünde ist der andern Mutter, dies lehren unszahllose Erfahrungen. Wie ein Gift nicht nur den nächsten Theildes Körpers verletzt, den cs berührt, sondern sich zerstörend durchdie entferntesten Gegenden des Leibes ausbrcitct: so verdirbt eineeinzige Untugend, die man in seiner Brust zu hegen nicht un-anständig findet, endlich das ganze Gemüth. Es läßt sich dasschauderhafte Wunder leicht erklären, wenn man über die Naturdes menschlichen Herzens nachdcnkt. Nichts möglicher, als daßderjenige, welcher schon unedel genug ist, sich selbst irgend eineSchwachheit zu verzeihen, auch gleichgültiger gegen das Erschei-nen einer zweiten ist, die er vorher nicht kannte und auch nichtliebte. Er ist nicht mehr rein, so entstellt ihn ein zweiter Fleckennun nicht viel mehr als der erste. Er steht noch die nachtheiligenFolgen der ersten schlechten That nicht, so hofft er auch die Fol-gen der andern ohne Mühe vermeiden zu können. Es gelingtihm vielleicht. Sein schändlicher Wandel bleibt den Menschenverborgen. Es belustigt ihn wohl gar, die Leute in der Täu-schung erhalten zu können; er wagt kühne Schritte. Er geräthin Verlegenheiten; aber durch irgend ein Unrecht weiß er sich vomVerdacht und der Bestrafung des Vorhergcgangcnen zu befreien.Dies gibt ihm neuen Muth fortzufahrcn. Er rechnet fortgesetzt