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ihr Leben auf so traurige Weise beschließen zu müssen. Wiemanche Person von nicht geringer Erziehung, um deren WiegeFreudenlieder ertönten, und welcher es Thorheit und Wahnsinngeschienen haben würde, wenn man ihr den schrecklichen Ausgangihres Lebenslaufes gcweissagt haben würde, erkannte endlich, daßder Anfang ihrer spätem Verbrechen ein ganz unbedeutender Fehlergewesen, den man zuweilen in der gemeinen Sprache des soge-nannten guten Tons auch wohl gar liebenswürdig genannt hatte!
Darum sagt die heilige Schrift jenes Wort voll hoher Wahr-heit: „Der Gottlosen Weg aber ist wie Dunkel; undwissen nicht, wo sie fallen werden!" (Spr. Sal. 4, 19.)
Wer nicht Gemüthsstärke genug hat, einen seiner kleinernFehler zu vertilgen, hat auch nicht Kraft genug, ihn zu ver-tilgen, wenn er zum herrschenden Laster erwachsen ist. Werden austretendcn Bach nicht eindämmen kann: wie will er denAlles überwältigenden Strom bändigen?
Fehler sind Anlagen zum Bösen, die in Thätigkeit übergehen.Die erste Aeußerung einer schlechten Neigung geschieht nicht seltenmit Schüchternheit; noch ist das Gewissen rein, noch das Gefühldessen unverletzt, was recht und gut ist. Es ist nicht schwer,den ersten, schwachen Reiz zu unterdrücken; denn man war jaauch schon des Lebens vorher froh, ehe man ihn empfand. Erkann freilich unserer Sinnlichkeit auf angenehme Weise schmei-cheln; aber er verwundet auch noch unsere Seele.
In dem Augenblick aber, da wir einer unsittlichen Gcmüths-neigung öfter erlauben, ihr Spiel zu wiederholen und ihr Ge-lüst zu stillen, wächst ihre Kraft, wie jede Kraft zuzunchmcnpflegt, sobald sie öfters geübt wird. Sie behauptet sich dannschon dadurch, daß sie unmerklich in eine Gcwohnhcitssacheübergeht.
Die Gewalt der Gewohnheiten über den Menschen ist kein