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besserung des Herzens lesen? Ich finde da nichts, was ich nichtschon längst gewußt hätte. Wird uns nicht die christliche Tugend-lehre von Jugend ans verkündigt und eingeprägt? Und habe ich denn so nöthig? Es mag sein, daß ich nicht ein ganzvollkommenes Wesen bin; aber das werde ich auch schwerlichwerden können, und wenn ich auch noch so viele Predigten oderreligiöse Bücher lesen würde.

So denkt Mancher bei sich; Andere haben auch wohl den Muth,cs zu sagen, weil sie glauben, eine Wahrheit gesagt zu haben.

Es ist allerdings nicht zu bezweifeln, daß die meisten erwach-senen Menschen wohl den ganzen Umfang ihrer Pflichten kenncwAllein ist das, was nun Sache des Gedächtnisses geworden, auchin Sache des ganzen Gcmiiths verwandelt? Sind wir immerdarum so, wie wir wohl wissen, daß wir sein sollen?

Nur zu gewöhnlich ist cs, daß wir uns desjenigen, was dasWeisere ist, gerade dann am wenigsten erinnern, oder nur sehrdunkel, wenn wir Lust und Anlaß haben, das verbotene Gegen-theil zu thun. Darum scheint mir die Anhörung göttlicherWorte im Tempel, oder das Lesen vortrefflicher, herzbessernderSchriften, eine sehr wesentliche Pflicht zu sein, um große Erin-nerungen in meinem Gedächtnisse zu erwecken.

Zu Fehltritten gibt uns jede Woche, ich möchte sagen jederTag, Anlaß. Der Reiz zur Sünde wohnt immerdar mächtig inuns. Aber ist der Reiz zur cdcln Denkart, zur Bekämpfung un-serer Unvollkommenheiten allezeit so oft und lebhaft in uns?Und wenn äußerliche Umstände uns zum Schlechtem hinlocken:ist es nicht Pflicht, auch dagegen unsere bessern Gefühle so oftals möglich rege zu machen? Ach, wie bald erlöschen dieEindrücke in uns, welche die Religion auf uns gemacht hat!Wie flüchtig ist selbst die heiligste Begeisterung! Darum sollenwir sowohl die Kirche, als die Lesung solcher Schriften, welche