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6 (1853)
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Weißt du, daß verrathene und betrogene Liebe, hoffnungsloseLiebe eine Hölle des Lebens, eine Zerstörung aller Geisteskräfte,eine Vergiftung der blühendsten Gesundheit werden kann?

Für einen dauerhaften Freundschaftsbund ist einegewisse Gleichheit des Standes wesentlich nöthig.Zwar kann man Personen eines höhcrn oder tiefern Ranges ebenso herzlich hochachten, als Seinesgleichen; man kann von ihneneben so sehr geschätzt werden, wie sie Ihresgleichen schätzen. Alleindoch ist ein wichtiger Unterschied zwischen solcher liebevollen Ach-tung und jener engern Vertraulichkeit, zu der eine innige Freund-schaft anlockt und berechtigt.

Wenn cs auch nicht immer der Stolz der Menschen ist, dersich bei glänzendern Glücksumständen weigert, dem geringemFreunde die alten Rechte und Freundschaften zu gestatten, kanndas ungleiche Verhältniß auf manche Art den reinen Gefühlender Liebe und Vertraulichkeit Eintrag thun, und sogar mit ihnenim schädlichen Widerspruche stehen. ES fordert der Freund vomFreunde Gleichheit des Vertrauens. Wie lange kann dasselbebestehen, wenn Einer des Andern Herr und Gebieter ist? Wiekann selbst zuweilen ohne Gefahr höherer Pflichtverletzung derVorgesetzte der Busenfreund seines Untergeordneten sein, und ihmseine Angelegenheiten mittheilen? Wie viele Fälle find nicht ge-denkbar, da der Höhere gegen den Untergebenen den strengen Ernstder Gerechtigkeit zu üben hat; und darf freundschaftliches Ver-hältniß jemals die Ausübung der Gerechtigkeit lähmen? Zst derVornehme sicher, daß ihm der Geringere ganz ohne heimlichenEigennutz anhange? Wird der Niedrige es immer ohne Verdrußertragen, wenn der Höhere ihn, der Umstände willen, mehr alseinmal öffentlich, wie jeden andern Fremden, wenigstens zumSchein gleichgültig behandelt? Nicht ohne Grund spricht mandaher: Könige können selten wahre Freunde besitzen: denn selten