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6 (1853)
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ist der Unterthan weise genug, sich im Umgänge mit dem Erhabe-nen alles Eigennutzes zu entschlagcn; selten der Hohe weise oderglücklich genug, von einem wahren Weisen aus seinen Unter-thanen geliebt zu werden.

Es ist nur allzugewiß, daß treue, dauerhafte, beglückendeFreundschaften leichter unter Menschen von den verschiedenstenEigenschaften und Denkarten geschloffen werden können, als unterPersonen von verschiedenem Geschlecht und verschiedenem Rang.

Jederzeit aber ist in der Stiftung vertrauter Freundschaft ge-fehlt, wenn ihr nicht vor allem Andern eine innige gegenseitigeHochachtung zu Grunde liegt, die der Eine für die Vollkommen-heiten des Andern hegt, welche ihm mangeln. Denn nur Vor-züge, welche wir ohne Widerspruch im Andern erkennen, erwer-ben ihm unsere Aufmerksamkeit, unsere Achtung, unsere feste Zu-neigung. Wer schwächer ist, als wir selbst sind, wird früheroder später, wenn der Schimmer verflogen ist, der uns anfangsblendete, verächtlich. Es gibt viele Personen,, die weit mehrdazu gemacht sind, sich Freundschaften zu erwerben, als sie laugezu besitzen. Sic gewinnen die Herzen durch die Annehmlichkeitenihres Acußcrn, durch den Glanz ihres Witzes, durch leichte, ge-sellige Eigenschaften, die ihren Umgang beleben und genußvollmachen: aber gewöhnlich gleicht ihr einnehmendes Betragen nureinem festlichen Kleide, welches sie ablcgen, sobald sie die Ge-sellschaft der Fremden verlassen, und ohne Verletzung des An-standes ihren Launen, ihren niedrigen Gelüsten, ihren falschenAbsichten, ihrem Leichtsinn freies Spiel geben können. Der Un-erfahrene wird von ihnen entzückt; wer sie näher und länger be-obachtet hat, schämt sich des Entzückens wieder.

Der süße Trieb der Freundschaft, welchen Gott in unsereBrust legte, ist an und für sich nur ein dunkcles Streben unsersGeistes nach Aneignung des Bessern und Vollkommenern. So