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sollte; ob er seiner Natur »ach fähig war, deine hohe Vorstellungzu erfüllen; ob du nicht in die Freundschaft mehr dunkele, sinn-liche Gefühle, als Klugheit und ruhige, besonnene Ansicht derDinge brachtest; ob du dich zuletzt nicht weit mehr selber betrogenhabest, als daß man dich hat betrügen wollen.
Der Grund früherer oder späterer Trennung vonFreundschaften wird gewöhnlich schon in dem wich-tigen Augenblicke gelegt, da mau dcnBund mit ein-ander schließt. Selten bringt man da den prüfenden Blickder Besonnenheit mit, sondern es ist irgend ein Anlaß zur Fröh-lichkeit, wo das Herz übcrwallt, und sich Jedem gern hiugibt,ohne Arg; ein Gefallen an der angenehmen Gestalt des Andern,und die daraus entspringende Begierde, von ihm geliebt zu sein;dies Wohlgefallen an der Anmuth der Person, wenn es lebhafterwird, erfüllt uns mit reizenden Selbsttäuschungen, und wir be-trügen uns willig, indem wir dem geliebten Gegenstand alleArten der Seelcnvollkommenheiten zuschreiben, durch die er überuns erhaben steht; — oft ist es nur ein schmeichelndes Mach-werken unserer Eitelkeit, was uns die Freundschaft mit Jemandwünschenswertst macht, indem wir ihn geachtet, gelobt, bewun-dert sehen, und unfern eigenen Werth in den Augen der Leutezu erhöhen glauben, wenn wir uns rühmen können, die Liebe,Hochachtung und Anhänglichkeit solcher Personen gefesselt zu haben.
Allein was ein dnnkeles, angenehmes Gefühl uns oft cin-gehen läßt, billigt nachher nicht immer die reifere Ueberlegung.Wahr ist eS, lieben sollst du den Freund mit dem Her-zen; aber wählen sollst du ihn mit dem Verstände.Die Empfindung, welche dich bewegt, urtheilt nie, sondern siebegehrt blindlings, gereizt durch äußere Annehmlichkeiten, oderdurch Eitelkeit; der Verstand hingegen begehrt nicht, was er nichtgenauer kennt, und unter den verschiedenen Verhältnissen geprüft