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6 (1853)
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»ur zu viel, ist er Anderer willen; und wenig, oft nur zu wenig,für sich selbst.

Das Bedürfnist der Freundschaft ist überall vorhanden. DieNatur legte cs in unser Gcmüth wem cs fehlte, der wäreeine Abweichung von der Menschheit, ein Ungeheuer, ein amGeiste Irrer. Dies Bedürfniß entwickelt seine Kraft schon inden ersten Kiudheitsjahrcn. Da herrscht noch allgemeines Zu-trauen zum Menschcnherzcn und dessen Theilnahmc, so wie daskindliche Herz gleich freundlich und thciluchmend für Jeden schlägt.Aber mit der wachsenden Erfahrung steigt die Schüchternheit.Das Gcmüth des Kindes fand sich oft getäuscht, oft durch derMenschen rauhe Außenseite oder durch lieblose Gleichgültigkeit insich selbst zurückgeschreckt. Der junge Mensch verweigert zwarNiemandem seine Theilnahmc, aber er erwartet sie nicht mehrvon Jedermann. Und doch verlangt sein Herz darnach. Er sehntsich, wenigstens eine Seele zu finden, die sich in enger Ver-traulichkeit an die seinige schließe; der er sein Inneres aufthun,seine Wünsche, seine Aussichten, die ihn überströmcnden Gefühlemitth'cilcn könne; mit der er Trost um Trost, Freude um FreudeauStauschen darf, und von welcher er liebend beobachtet, freu-diger, fester, sicherer durchs Leben geht.

Wie kommt cs nun, daß bei der allgemeinen Sehnsucht jedesMenschen nach einem Freunde, von dem er treu geliebt, und,wenn ihn Alles verkennt, nie verkannt sein möchte, wie kommtcs, daß die Klage um den Mangel achter Freundschaft so ge-wvhnlich^ist?

Klagender, prüfe wohl, wen du zu vcrurthcilcn hast, ehe duverurthcilst. Prüfe dich selbst zuerst, ob du überall einwahrer Freund gewesen bist. Uebcrdcnke cs, was hast dugeleistet? Untersuche, ob du nicht mit überspannten, schwärme-rischen Forderungen zu dem getreten bist, der dein Freund sein