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6 (1853)
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daS Bedürfnis!, zu lieben und geliebt zu werden? Ist nicht derName eines Freundes noch immer der Ehrenname, mit welchemwir die uns angenehmsten und thcuersten Personen belegen?

Ja, noch ist Freundschaft ans Erden, wahre Freundschaft, so-wohl unter den Guten und Edeln, als selbst unter den Rohenund Vcrderbtern im Volke. Man fand die Gesinnungen treuer,gegenseitiger Freundschaft selbst da, wo man so zarte Gefühlekaum erwarten konnte unter Böscwichtcn, welche eine un-unterbrochene Anhänglichkeit zu einander bis zur Stunde ihresTodes behielten.

Denn was ist ohne Freundschaft das Leben? Eine leereWüste, durch welche der Sterbliche einsam hinwandcrt; wo ihmnichts gehört, nichts auf seine Lust, auf seinen Schmerz achtet;wo er zwar Menschengestalten erblickt, ihm ähnlich, aber die kaltan ihm vorübcrgehen, als wären sic Bürger einer andern Welt,die mit ihm nichts gemein haben.

Aber stelle den Menschen, auch den rohesten, in die Einöde:er wird nicht der Verlassene sein wollen; er wird Theilnahmcund Liebe begehren und geben; er wird die leblosen Felsen zuseinen Vertrauten machen;, er wird sich selbst täuschend den schat-tigen Baum zum Zeuge» seiner Empfindungen machen; er wirdwilde Thiere zähmen, um ihre Anhänglichkeit und Treue zu ge-winnen. Der Mensch kann und will nicht einsam, kann und willnicht ungeliebt sein. Er will Theilnahmc für sich erregen; ohnediese gilt ihm das ganze Leben wenig. Alles, was er ist, dasist er weniger für sich, als für Andere. Er dürstet nach ihremBeifall. Ihnen zu gefallen schmückt er sich. Für ihre Dankbar-keit stürzt er sich kühn in Todesgefahren. Für ihren Beifall opferter seine Ruhe, seine Freuden auf. Um sie nicht von sich zuscheuchen, verhüllt er die Fehler, die ihn entstellen. Alles, oft