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Durch die Beförderung der cdlcrn Künste wird selbst die Neligion und die Andacht der Sterblichen befördert. Haben dichnie Schauer stiller Ehrfurcht durchdrungen, wenn du durch diehohen, dämmernden Hallen eines Tempels wandeltest? Nicf esdich nicht zur Verehrung des Allerhöchsten, wenn du den künstlich-gezierten Hochaltar sahst, oder die Begebenheiten einer heiligenVorwelt dich aus sinnvollen Gemälden anredcten? Beflügeltesich deine Andacht nicht, wenn die Macht wohllautender Tönedich umrauschte, und die Himmel in ihnen zu dir nicdcrzustcigc»schienen? Hat sich beim Klange frommer Gesänge noch nie deinAuge mit Thräncn der Rührung gefüllt? Siehe, das war dieGewalt der cdlcrn Künste, welche dein Gcmüth ergriff! Sicfind cs, die zum Geist und zum Herzen sprechen, währendandere Gewerbe nur deine gröber» Leibesbedürfnisse befriedigen;und da der Mensch, so lange er im Staube wallt, immerdarein mit dem Sinnlichen engvcrflochteneS Wesen bleibt, ist esgöttliche Stiftung, daß selbst der Zauber sinnlicher SchönheitHerz und Geist veredeln muß.
So mag das Streben nach äußerer Schönheit nicht nur demJünglinge und der Jungfrau, sondern selbst dem Manne undGreise, statt zum Tadel, zum Ruhm gerechnet werden. So magdieses Streben ein Verdienst der wirthlichen Hausfrau heißen,welche über Alles, was sie umgibt, Anmuth, Gefälligkeit und Netzz» verbreiten, und durch Verschönerung selbst den alltäglichstenDingen neuen Werth zu geben sucht.
Es liegt tief in der menschlichen Natur, daß wir unwillkür-lich sind und werden, wie das ist, was wir außer uns wahr-nehmen. In reinlichen, ordnungsvollen Zimmern werden wirzu Allem geneigter sein, was anständig und edel ist; im Staubund Unrath des häuslichen Lebens finkt auch unser Gemüth gleich-sam von seiner Erhabenheit nieder, und verzeiht sich leichter un-