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Sinn des Schönen erwacht, wie der volle Reiz des Jahrs indessen Frühling. Darum tadeln wir nicht den Jüngling, wenner die rohen Spiele des Knabenalters meidet, und durch höher»Anstand gefällig zu werden sucht. Daher tadeln wir nicht dieanfblühcnde Jungfrau, wenn sie ihre natürlichen Reize durchsorgsamere Bekleidung und geschmackvoll gewählten Schmuck zuheben bemüht ist. — Darum verachten wir nicht den Künstler, wel-cher unsere Wohnungen zu verschönern weiß, oder durch den Wohl-laut des Gesanges unsere Empfindungen belebt; nicht den Maler,welcher den Farbcnglanz der Schöpfung, nicht den Bildhauer,welcher die cdeln Formen der Natur nachzaubcrt; nicht den Dich-ter, welcher in schönen Bildern der Sprache das Leben des Ge-müths darstellt, oder den sinnvollen Schauspieler, der die Leiden-schaften, Thorheitcn und Größe der Menschheit täuschend vorunser Auge bringt. — Gedenkt die heilige Schrift nicht ruhmvollJubals, des Erfinders der Musik, Tubalkains, des Meisters inallerlei Erz- und Eisenwerken; nicht der Tänze Davids; nich!der salomonischen Prachtgcbäudc? Wird nicht von Lukas denEvangelisten behauptet, er sei ein Maler gewesen? WirktePaulus, der Apostel, nicht Teppiche mit kunstvoller Hand?
So ist denn das Streben nach äußerer Schönheit, und dieHebung derjenigen Künste, welche sic zum Zweck haben aller-dings nichts weniger als verächtlich oder gar vcrdammenswür-dig, sondern löblich und ehrwürdig. So ist cs Ungerechtigkeit,nur diejenigen Handwerke und Gewerbe zu preisen, welche eiwasunmittelbar Nützliches hervorbringcn, die dir Schuhe undKleider, Waffen und Brod, Obdach und Gcräthschaftcn geben,und alles Andere als unnütze Kunst zu verschmähen, was höch-stens nur um vorübergehendes Vergnügen zu verschaffen, undbloßes Werkzeug der Ueppigkcit, Frucht der Ueberfüsses zu seinscheint.