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reine, niedrige Gefühle. Die Schönheit des Weibes flößt selbstBarbaren Ehrfurcht, die Lieblichkeit eines Kindes selbst Fremd-lingen Zuneigung ein. Eines Greises ehrwürdige Gestalt, seineeisgrauen, dünnen Haarlocken, erfüllen uns unwillkürlich mitstiller Achtung; so wie Unrcinlichkcit und Mangel der Ordnung,wo wir sie erblicken, Ekel erregen. Wir malen uns das Ver-brechen häßlich; des Lasterhaften Blicke finster, tückisch; die Zügeder Verzweiflung verzerrt; das böse Gewissen mit düstcrn Gc-berdcn.
So sehr aber auch das Streben nach äußerer Schönheit aller-dings mit Religiosität vereinbar ist, und dem Christen geziemt,kann es doch durch Uebertreibung eben sowohl zum großen Fehlerwerden, als Vernachlässigung wirklich ist.
Es wird zu Fehler, wenn der innere Werth der Dingeüber den äußern Glanz versäumt wird; wenn das Hauswesenzwar mancherlei zeigt, was das Auge des Fremden blendet undUeberfluß verkündigt, aber daneben oft das Nothwendigc man-gelt; wenn die Kleider Rcichthum verrathcn, aber Armuth sichhinter den Schmuck verbirgt; wenn im schön- gezierten Körperein verdorbenes Herz schlägt, ein roher Geist wohnt. Da findnur übcrtünchtc Gräber, unter welchen Moder und Verwesungreift. Nein, wie die Blume mit aller Pracht aus der cigenthüm-lichen Beschaffenheit ihrer Pflanze hervorgcht: so muß die wahreSchönheit des Menschen aus dem Wesen seiner Umgebungenaufblüheu.
Das Streben nach äußerer Schönheit wird zum Fehler, so-bald cs des Menschen Hauptsache und vorherrschende Leidenschaftwird. Hier verkehrt sich das Wohlgefallen am Anmuthigen inprahlende Prachtsucht und Prunk; das natürliche Bemühen desJünglings, zu gefallen, in geckenhafte Tändelei, in weibischeZiererei, die dem Manne seine eigcuthümliche Schönheit, näm-