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mit Sittlichkeit, ohne allzugroßes Aufsehen zu erregen. — Ichsehe feile Richter, feile Beamten Geschenke nehmen statt der ge-rechten Gründe — aber es geschieht mit anständigen Namen undVorwänden. Ich sehe den Verdienstvollen zurückgestoßen, undden Unwürdigen in Acmtcr und Ehre gerufen — aber cs geschiehtmit scheinbarer Beobachtung der Gesetze. Feine Schmeichelei istweither, als edle Wahrheit; anmuthigc Liederlichkeit wcrthcr,als Unschuld und Zucht; kluge Verräthcrkunst wcrthcr, als heldcn-finuigc Treue. — Ich zittere; soll die höchste Unfittlichkcit endlichder Gipfel des Sittlichen und Wohlanständigen sein?
Ja, über euch, denen die strenge Christcntugend Schwärmereiund Mährchen, denen feine Lebensart, äußerer Wcltton die ein-zige Weisheit find, — über euch geht, wie einst über der Pha-risäer Gleißnerei, das zermalmende Wehe Jesu des Göttlichen! —Wehe, die ihr die Becher und Schüsseln auswendig reinlichhallet, inwendig aber ist es voll Raubes und Fraßes! Wehe,die ihr gleich seid, wie die übcrtüuchtcn Gräber, welche auswen-dig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Todtcngebeineund alles Unflaths! (Matth. 23, 25. 27.)
Ach, daß dies zermalmende Wehe Jesu nicht meine Seeletreffen möge; daß sie rein bleibe von dem Verderben des Zeit-alters, welches zufrieden ist, Eiterbeulen mit Purpurlappcn zubedecken! — Für mich soll nichts wohlanständig sein, als das,was wahre Hochachtung verdient; für mich soll jederzeit dieAeußcrung eines edeln GcmüthS die edelste Sitte heißen. Aberdas Laster will ich nicht schminken, sondern die Sünde bei ihremNamen nennen, daß meine Nachsicht, meine feige Schonungnicht den Schwachen noch schwächer, den kühnen Verbrecher nichtnoch kühner mache.
Nicht Dein zermalmendes Wehe über mich, o Jesus! Dubeweisest, daß strenge Uebercinstimmung des Innern mit dem