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Trägheit der unwissenden Menge geht der Sinn für das Ewig-heilige, Ewigschöne, Ewigwahrc immer tiefer unter!
Nein, cs gibt mancherlei Sitten, aber nur einerlei Tugend.Was heute gerecht und gut ist, war es auch vor Jahrtausenden,wird cs nach Jahrtausenden noch sein. Ehrlichkeit gilt für Ehr-lichkeit unter den gebildetsten Völkern, wie unter Wilden, mogetihr sic auch Beschränktheit des Verstandes nennen, o Sprachvcr-wirrcr! Gastfreundschaft gilt als Gastfreundschaft in allen Welt-theileu, mag eure Selbstsucht, Kinder des Jahrhunderts, sic auchNiemandem gewähren wollen.
Was wohlanständig und geziemend ist, ehret der Christ.Edle Sitten sollen aber, nach Jesu und seiner JüngerLehre, nur die Frucht edler Gesinnungen sein. FeineLebensart ohne reine Gcmüthsart ist nur todtc Hülse, ohne Kern;ist Schminke auf den Wangen eines Leichnams. Auch ist, wenngleich die Wahrhaftigkeit, doch noch nicht der Sinn fürWahrheit so ganz ausgcstorbeu, daß man nicht schnell genug denhöflichen Meißner vom redlichen Mann unterscheiden, und jenen,der nichts als Artigkeiten ohne andere Verdienste aufzuwcisenhat, im Stille» verachten sollte.
Sind edle Sitten die Wirkung eines cdcln Gcmüths, werdenwir sic ehren. Aber nicht immerdar sind sie es; sondern nurerlernte Gcberdcu, erkünstelte Nachäffungen des holden Tugeud-rcizes.
Darum ist cs gefährlich, auf das Wohlanständige einen höhernWerth zu setzen, als ihm gebührt. Es verleitet den Schwachenleicht zum Wahn, er habe die Tugend, deren Gcberdcu er nach-künstelt; oder cs sei das Schickliche überall vorzuzichcn, selbstder Tugend, wenn ihre Erscheinung Pflicht wäre. Und dieserSchwachen, o wie groß ist ihre Zahl au Höfen der Großen, wiein Hütten des gemeinen Volks! Wie oft wird aus Höflichkeit