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6 (1853)
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und dir zum Trotz und dich zu verhöhnen wählte cs die schänd-lichsten Gesellschaften oder deine erbittertsten Feinde zu seinenFrcnnden; oder wen» du Jemandem, der dir lieb war, mit Auf-opferung eines Theils deiner eigenen Ruhe, deines eigenen Ver-mögens geholfen hast in den Tagen seiner Noth, und er wirddann dein Berräther, oder will dich nicht mehr kennen, wennihm das Gliick lächelt: wie wirst du von diesem Menschen urthci-lcn? Wie wird sich dein Herz gegen seine Abscheulichkeit empören!

Nun also bcurtheilc dich selbst, also empöre sich dein Herzgegen deine eigene Abscheulichkeit, wenn das Gedächtniß dir sagt,welche Verpflichtungen du Freunden und Bekannten, oder auchUnbekannte» schuldig bist, seit heute, seit gestern, seit Jahr undTagen, seit deiner Kindheit, ohne daß du je mit Ernst an Ver-geltung dachtest, oder auch nur einen Versuch machtest, ihnendeine dankbaren Empfindungen zu bezeigen. Wie du den beurtheilst,der gegen dich undankbar handelte, siehe, so bcurthcilt dich dasHerz dessen, der dir sonst freundlich half und ricth, und den dunun vergaßest, als hätte er dir nie wohlgcthan; vergaßest, alswäre er nie am Leben für dich gewesen.

Gehe hin, und tilge deine Schuld. Verlaß eine Welt nichtund wer weiß, wie bald dich der Herr ruft? in welcher dunoch Schulden der Dankbarkeit abzutragc» hast!

Die Größe unserer Erkenntlichkeit muß immerim Verhältnis) zur Größe der empfangenen Wohlthazstehen. Die Größe der Wohlthat aber müssen wir richten theilsnach dem Umfang des Guten, das »ns durch Rath und That desWohlthäters eigen wurde; theils nach der größern Mühe, An-strengung und Aufopferung, welche cs ihm machte, uns dienst-gefällig zu sein.

Oft ist eine Kleinigkeit zur rechten Zeit unser höchster Trost,unsere Erlösung aus größter Noth. ES sind nicht immer große