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welches wir von einem Ander» empfangen, nach seinem wahrenWerth zu schätzen. Wir setzen cs gern etwas herab, um dieLast des Dankes etwas zu erleichtern, und die Schuld schon zuverkleinern, ehe wir noch augcfangcn haben, sic abzutragen.

Und dennoch muffen wir selbst gestehen, auch unser Gewissensagt cs uns! wer nicht die zarten Pflichten der Erkenntlichkeitmit Freuden zu übe» weiß, der ist noch fern davon, ein reines,christlich-edles Herz i» seiner Brust zu tragen. Noch wohnt inihm statt der göttlichen, wohlwollenden Liebe eine selbstsüchtigeZurückgezogenheit; statt der Demuth Zcsu ei» angemessener,thörichtcr Stolz; statt der daö Leben verschönernde» Milde undGüte eine zurückstoßende, unfreundliche Rohheit und Härte.

Wer möchte auch den Menschen mit ganzer Znnigkcit lieben,der Niemandem verpflichtet sein, sich Alles nur selbst verdankenwill? Ist er dazu geeignet, ein Menschenfreund zu sein? Nim-mermehr! Er möchte Herr aller Menschen sein, und alle sichdurch die Macht des Dankes und der Verpflichtung unterworfensehen. Wer nicht weiß Wohlthatcn auf die rechte Weise zu em-pfangen, ist auch nicht fähig, auf die rechte Weise Wohlthatcnzu erthcilen. ES ist eben so süß, Gutes anzunehmcn, als zuleisten; Schuldner zu sein, als Schuldner zu machen.

Noch ungleich verächtlicher aber ist, wer Andern zu Dank ver-pflichtet ist, und statt dessen mit Bösem das empfangene Gutevergilt. Wahrlich, Dankbarkeit ist vielen Menschen eine derschwersten aller Tugenden; aber Undankbarkeit ist in de» Augenaller Menschen das schwärzeste Laster.

Wenn du einen Freund mit Zärtlichkeit geliebt, und er gehtvon dir, um deines Wohlwollens zu spotten, und bei Anderndeine Güte zu verlachen; oder wenn du ei» Kind mit namenloserMühe für Ehre, Tugend und Christenthum erzogen hättest, undeS wälzte sich, kaum der Aufsicht entlassen, in allen Lastern,