Armuth Schuld, dic sic hindert, ihre Erkenntlichkeit an den Tagzu legen, als vielmehr ihr Stolz, ihre falsche Vorstellung vonUnabhängigkeit und Freiheit.
Ja, cS sind nicht wenig Personen, welche lieber gar keineFreundschaftsdienste empfangen möge», um nur in ihrem Lebenkeinem Menschen verpflichtet zu sein; nicht aus Lieblosigkeit oderHartherzigkeit, sondern aus übertriebener Sucht nach Unabhängig-keit von Andern. Sie machen sich ein Vergnügen, Andern zurathc», zu geben, oder auf irgend eine Art nützlich zu werden;Andern Verbindlichkeit zu leisten; Andere durch Wohlthatcn vonsich abhängig zu machen: nur sic selbst verlangen nichts für sich,lehnen Alles ab; sie möchten die ganze Welt sich zum Schuldnermachen, aber Keinem anch nur zu einem Blicke der Erkenntlich-keit verbunden sein.
Diese nicht ungewöhnliche Denkart rührt aus einem unmäßigenHang zur Unabhängigkeit, aus einer falschen und tadelnswürdigenVorstellung von dem Gcmüthe der meisten Sterblichen, oder auseinem heimlichen Stolze her, der hicnieden über Alles erhabensei» möchte, wie Gott, welcher nur gibt, nie empfängt. Aberwer ist der Mensch, welcher ohne die Freundschaft der Andernbestehen könnte? Wir sind vorhanden, um uns gegenseitig mitunser» Gabe» und Fähigkeiten zu dienen. Auch der Mächtigstebedarf des Schwachen, anch der Reichste des Armen. Wem cSeine zu schwere Last ist, erkenntlich zu sein, und doch auch nichtdie Schmach des Undanks auf sich kommen lassen will, der fliehein eine Wüste, wo kein anderer Sterblicher mit ihm at mct.
Wirklich ist dic Dankbarkeit eine der schwierigstenTugenden, und zwar, weil in allen Menschen dieEigenliebe, der Stolz, dic Unabhängigkcitssucht,oder auch nur der vergeßliche Leichtsinn mehr oderweniger rege ist; dadurch werden wir verhindert, das Gute,