Druckschrift 
6 (1853)
Seite
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keit wohlzuthun, aus dem allgemeinen Wohlgefallen in ein Lie-ben hinein. Nicht selten schmachtet der schon nach Gegenliebe, derselbst von keiner wahren und reinen Zuneigung beseelt ist, sondernanfangs mehr nur heuchelt, als fühlt, oder wohl gar zu fühlenLust hat. Wehe dem unbewachten Herzen, welches sich so deninnern Frieden willig hinwcgtändcln läßt, um später einst unterschmerzvoller Reue Spott der Andern zu werden! Behüte deinHerz mit allem Fleiß, denn daraus gehet das Leben!

Zu den überspannten, schwärmerischen Neigungen tragen, beimErwachen des GcschlcchtStriebcs, die Reizbarkeit des Gefühlsüberhaupt, und eine unglückliche, heftige Einbildungskraft vielbei. Ze empfindlicher, lebhafter, Alles mit Begeisterung er-fassender man sich weiß, je mehr man die Lebendigkeit seinerPhantasie kennt, um so mehr muß man, will man nicht als Thorsein harmloses Lebcnsglück verscherzen, Alles meiden, was dasWohlgefallen an einer Person zu einer unruhigen, betäubendenSehnsucht nach ihr verwandeln kann. Mehr, als alle Grund-sätze, hilft hier oft leichter Sinn, der sich nicht lange von einemGegenstand binden, überwältigen und fesseln läßt. Diesen heitern,leichten Sinn bewahre in dir; er rettet deine Selbstbeherrschung,deine Selbstständigkeit! Es ist dieser leichte Sinn keineswegsjener verderbliche Leichtsinn, mit dem man sich, blind gegen alleFolgen, allen Neigungen und Gefühlen überläßt, die uns schmeicheln.

Der Umgang mit Personen des andern Geschlechts, ein gegen-seitiges Wohlwollen, selbst das ruhige Anerkennen dessen, wasan einer oder der andern liebenswürdig erscheint, ist so langefür unsere Ruhe, Ehre und künftige Freiheit gefahrlos, als nichteine einzige in uns alle klebrigen verdunkelt. Selbst die stille,ehrerbietige und unschuldige Zuneigung für eine liebenswürdigePerson des andern Geschlechts, so lange wir dabei nicht unsereBesonnenheit cinbüßcn, so lange wir, wenn wir von ihr getrennt