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6 (1853)
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ltch? Wer sicht im Zustande der Vcrnunftlosigkcit, was ehrbar,anständig, tugendhaft, christlich, gottwürdig seid Wem wirdman Zutrauen, daß er im Rausche fähig sei, sein Glück zu sehenund sein Glück zu bereiten?

Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn darausgeht das Leben. (Spr. Sal. 4, 23.)

Behüte dein Herz; bewahre unter allen Verhältnissen die Un-befangenheit deines Geistes! Du kannst cs, so lange du dichselbst liebst und dich selbst ehrst. Und du sollst cS, deiner Aclternund Verwandten und Freunde willen; du sollst es, deiner künf-tigen Bestimmung willen; du sollst es, um deines Glückes willen;du sollst eS, um deiner Ewigkeit, um deines Gottes willen.

Du kannst cs. Denn die leidenschaftliche Liebe ist wahrlichkeineswegs Werk und Sache eines einzigen Augenblicks, sondernsic wird absichtlich und mit unbesonnenem Leichtsinn erst nach undnach entwickelt und gepflegt, bis die erste leichte Empfindung desGefallens an einer Person zu einer Art von Raserei ausartct.Auch der Trunkenbold wird nicht beim ersten Glase geistigen Ge-tränks, das er in seinem Leben zur Lippe führt, zum Trunken-bold, sondern indem er anhaltend und täglich den Genuß be-rauschender Mittel in immer steigendem Maße zur Gewohnheit,zum unentbehrlichen Bcdürfniß macht, bis er zuletzt eher vomLeben, als von dieser Gewohnheit scheiden kann.

Ost, ja meistens ist der erste Ursprung der leidenschaftlichenLiebe ein bloßes Gefallen an Gestalt und Wesen einer Person,und dann der sich damit nachher verbindende Wunsch, auch derGlaube, ihr nicht gleichgültig zu sein, oder gar von ihr geliebtzu werden. Zu diesem Glauben verleitet oft der zufälligste Winkund Umstand. Nicht selten künstelt man sich sogar, um seinHerz mit angenehmem Gefühlen zu beschäftigen, oder um dermüßigen Phantasie ein Spiel zu geben, oder nur um seiner Eitel-