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Herz schlägt früher oder später für einen ungleich würdigemGegenstand: was bleibt uns dann, als die ewig kränkende Er-innerung , leichtsinniger Weise und übereilt ein fremdes Herz ge-brochen, seinen Frieden zerrissen zu haben! —
Nein, wahrlich, von der Gegenliebe einer zärtlich gelicbteuPerson hängt keineswegs unsere Gemüthsruhc, unsere innersteGlückseligkeit ab, sondern davon, daß wir im Sturm aller Ge-fühle mächtig über uns selbst bleiben, um frei über den Gangunserer Neigungen zu herrschen, und mit ruhiger Vernunft überunsere Handlungen zu richten.
Es ist freilich unmöglich, eine Person, welche uns liebens-würdig zu sein scheint, nicht auch liebenswürdig finden zu wollen.Es ist freilich unmöglich, eine Person, die für uns mit bezaubern-der Anmuth begabt und geschmückt ist, gleichgültig anzusehcn.Sind uns aber Frieden, Glück und Ehre unscrs Lebens thcuer,so muß unser Wohlgefallen an Zcmandcn nie in betäubende Leiden-schaft, in einen schwärmerischen Wahnsinn vcrartcn.
Was ist Leidenschaft? — Es ist ein Zustand des Gcmüths,da eine einzige Empfindung, eine einzige Begierde, ein einzigerGedanke sich zum Ungeheuern ausgcstaltet, daß alle andern Em-pfindungen, Begierden und Gedanken davon verschlungen undbeherrscht werden; daß die Vernunft, statt unsere beständige Ge-setzgeberin zu sein, unterdrückt, halb vernichtet wird; daß unserGeist, statt frei und selbstthätig zu sein, sich leidend verhält,und zum Knecht des einzigen, unmäßigen Gefühls wird.
Jede Leidenschaft ist ein Zustand der zeitweise eiutrctendenBernuuftlosigkeit, da man denkt und thut, nicht was man willund soll, sondern was die vorherrschende sinnliche Begierde, wasder Ungestüm eines zur Ucbcrmacht gewachsenen Gefühls un-willkürlich zu denken und zu thun zwingt. — Wer aber handeltwohl im Zustande der Vcrnunftlosigkeit klug, vorsichtig und weis-