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über unsere Handlungen, über unser wahres Wohl und Wehe auchferner noch mit edler Nüchternheit richten und entscheiden wollen.
Nein, nicht von der Gegenliebe der von uns geliebte» Personhängt unsere Ruhe, unser künftiges Glück ab, obwohl cS unsin gewissen Augenblicken so scheinen mag. Denn entweder be-trügen wir uns in der Hoffnung: die geliebte Person findetunsere Zuneigung beleidigend oder lächerlich; oder sie hat sichmit ihren Neigungen schon heimlich einem ander» Gegenständezugesagt: dann stehen wir mit unfern durch eigene Thorheit er-zeugten Schmerzen einsam. — Oder unsere Liebe wird mit Ge-genliebe vergolten, und wir haben damit die Aussicht auf «ochgrößere Ucbcl gewonnen; auf Nebel, die sich in finstern Ah-nungen vor uns hinstellcn, sobald wir nur uns selbst fragen:Was soll am Ende daraus werden? — Vielleicht ist das,was wir gern für Gegenliebe halten, nur Begierde zu gefallen,nur geschmeichelte und dankbare Eitelkeit, nur ein Anfall vonEroberungssucht, uur eine vorübergehende Aufwallung von Sinn-lichkeit; dann sind wir abermals der schmerzlich betrogene Tbcil.Oder jene Erwiederung unserer Zuneigung ist aufrichtig; aberwir sehen ihr Ende voraus, weil Alter, Stand, Vermögen undandere bürgerliche Verhältnisse eine lebenslängliche Verbindungmit der geliebten Person so gut als unmöglich machen. Wasbleibt uns dann? — Oder die geliebte Person ändert, wie jederSterbliche, mit der Zeit und unter wechselnden Verhältnissenihre Neigung, und findet, trotz ihren Versicherungen ewiger Treue,endlich einen licbcuSwürdigcrn Gegenstand, zu dem sic sich un-willkürlich hingezogcn fühlt. Was bleibt uns dann? — Oderwir selbst — wer kann das Gegentheil voraus wissen? — habenuns in dem, was wir in uns für wahre Liebe halten, und wasnur ein flüchtiges Aufbrauscn unserer jugendlichen Gefühle ist,betrogen; genesen früher oder später von der Täuschung; unser