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N?an versichert gewöhnlich, das reizendste, glückseligste Lebens-alter sei die Zagend, da inan zwischen der Abhängigkeit un-mündiger Kindheit und den Sorgen und Arbeiten der rcifcrnJahre mitten innc stehe, umgeben von Hoffnungen und Ahnun-gen einer Zukunft, welche nie so schön ist, als man stc erwartet.Allein eben diese Jugend ist nicht selten das unglückseligste allerLebensalter, wenn entweder die Unschuld entflohen, oder die heitere,kindliche GcmüthSruhe durch irgend eine Leidenschaft schon ver-nichtet worden ist.
Zn diesem Alter, da alle Gefühle lebhafter und inniger find;da die Einbildungskraft am mächtigste» herrscht und den ruhigenVerstand täuscht; da mancherlei Begierden und Triebe der Kind-heit zu riesenhafter Stärke erwachsen, und Eitelkeit, Gefallsucht,Ehrgeiz ungestümer werden; da mancherlei Begierden und Triebeerwachen, die man als Kind nicht kannte: in diesem Lebensaltertödtct oft eine einzige Unbesonnenheit die Lust des ganzen Lebens,und ein einziger Tag verfinstert mit seinem Unglück die Heiter-keit eines ganzen Zahrcs. — — Wer weiß cS nicht? — Heildem, der cs noch nicht weiß!
Von allen Triebe» der Natur, die in diesem Lebensalter lautwerde», ist keiner aber für die Ruhe des Gcmüths so gefährlich,als der Gcschlcchtstricb. Er kündigt sich in einem größer» Be-mühen für eigene Zierlichkeit und Schönheit an. Man wünscht,durch seine Gestalt das Wohlgefallen Zcdcrmanus zu erregen.Man schmeichelt sich zuweilen, die Huld und den Blick Aller zufesseln; zuweilen verzweifelt man, irgend einer Person gefallenzu können. Man gcräth darüber bald in angenehme, bald inunangenehme Unruhe. Mau sucht sich gern in Haltung undäußern, Wesen denjenigen Personen ähnlich zu machen, die durchihr Benehmen, wenn auch nur vorübergehendes, Gefallen er-weckten. Man wird aufmerksamer aus den Beifall oder auf das