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6 (1853)
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rin Anderer in solcher Lage mit allen Dingen und allen Men-schen nm sich her unzufrieden wird, trägt derjenige, der sich vor-züglich mit religiösen Sachen beschäftigt, seine Unzufriedenheit mdiese hinüber. Nichts ist ihm ganz genügend, dem Einen nichtdie Andacht, die Inbrunst, die Zerknirschung des Herzens; demAndern nicht die Wahrheit, das Licht, die Natur, die Offen-barung. Beide verzweifeln zuletzt aus gleichen Ursachen von ganzverschiedenen Seiten und über ganz verschiedene Gegenstände.

Prüfe, ob du körperlich von Ucbeln frei seiest; ob du durch-gchcnds heitern Lcbcnsmuth fühlst, wie ehemals; ob du geneigtbist zu einem stillen, gleichmäßigen Frohsinn. Fehlt dir dieser:o dann glaube mit Zuversicht, der Grund deiner Verstimmung,reiner Zwcifclsucht, deiner Unruhe liegt nicht in dem, was dieReligion angcht, sondern in einer körperlichen Unordnung. Durchsie leidet auch deine Seele. Ziehe einen Arzt zu Nath. Meidedie Einsamkeit und suche angenehme, zerstreuende Gesellschaft vonFreunden und Freundinnen; zwinge dich selbst, so schwer dir csauch im Anfang werden mag, nie an das zu denken, was dichin religiöser Hinsicht zu betrüben scheint. Dein Leib kränkelt,nur darum leidet auch deine Seele mit. Stelle den Umlauf deinerSäfte durch tägliche Bewegung her, denn oft bewirkt eine allzu-sitzende Lebensart, ei» langes Verschlossenst» in Zimmern, oderein Mangel gehöriger Verdauung, eine Unregelmäßigkeit in derNahrung, das Grundübcl, welches, wie ein feines Gift, auchdie Seele beschleicht, die Empfindungen trübt, die Ansichten irdi-scher und göttlicher Dinge verwirrt.

Oder prüfe, ob dich das Lesen gewisser Schriften in dieQual des Zweifels leitete, oder ob die Urthcilc und Vorstcllnngs-arten deiner Bekannten und Freunde nachtheilig ans dich wirkten,daß dein Geist, deine eigene Urtheilskraft ganz davon befangenward. Z» diesem Falle stelle erst die ganze Unbefangenheit