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Du gcriethest mit dir selbst, mit deinen eigenen Kräften in Zwie-spalt, darum scheinst du in Zwiespalt mit Gott und dem Lebenzu sein. Die wahre Religio» wird von selbst wieder in deinHerz den Einzug halten, wenn du nicht mehr einseitig nachdem strebst, was dir Noth ist. — Siche, cs ist eine große Wahr-heit in den Worten des weise» Apostels Paulus: „Ich schämemich des Evangeliums von Christo nicht, denn cs ist eine KraftGottes, die da selig macht Alle, die daran glauben." (Rom.l, 16.) — Es liegt darin eine Wahrheit, welche du bisher viel-leicht nie in ihrer ganzen Fülle erkanntest.
Aber vor alle» Dingen, auf daß das Evangelium von Christoals eine Gottcskraft in dir laut werde und wirke, untersuche:was brachte dich in den gegenwärtigen Zustand von unruhige»Zweifeln? — Diese Ursachen entferne. Gehöre dir erst selberwieder an. Werde gesund. Denn dein Gemüthszustand ist eineKrankheit der Seele, und anders nichts.
Oft ist diese Ursache eine Unpäßlichkeit des Körpers, ein Ver-derbniß der Säfte, eine Erschlaffung unserer inner» Theile. Da-durch entsteht anfangs Mißmuth, Unruhe, mürrisches Wesen, ohnedaß man oft äußere Veranlassungen dazu hätte. Aber statt denFehler in sich selbst zu vermnthcn, sucht man die Ursachen dereigenen Unbehaglichkeit dann gern in Umständen außer sich. Wennin solchem Zustande unglücklicherweise aber der Geist sich zu einerbesonder» Thätigkcit geneigt fühlt, und sich, sei es aus Bedürf-niß der Beruhigung, oder überhaupt nur aus Bedürfnis; einerstillen Selbstbcschäftigung, vorzüglich mit Angelegenheiten derReligion cinläßt: so trägt der Mensch oft seine Unruhe, seineUnbehaglichkeit auch in diese hinüber. Er neigt sich entwederzur Grübelei oder zur stillen Schwärmerei, und wird durch beideszur Zwcifelsncht verführt. Der kränkelnde Körper wirkt allezeitnachtheilig auf den Geist. Auch das Gcmüth kränkelt. Während