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6 (1853)
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Wenn Jemand, der zwar noch ziemlich unverdorben ist, oderdoch für fromme, tugendhafte Grundsätze noch lebhaften Sinnhat, in schlechte Gesellschaften gcräth; wenn er da, weil man 'Ehre und guten Namen bekannter Menschen witzig lästert, oderihnen, obgleich uncrwicscu, auf bloße» Schein hin, die schänd-lichsten Dinge zuschrcibt, oder, weil man dergleichen gehört hat,mit Begierde nacherzählt, wenn er da aus Höflichkeit in denTon der geschäftigen Lästerzungen cinstimmt; wenn er, wo Zornund unzüchtige Reden fallen, Zweideutigkeiten belächelt, vor denendie Tugend schamvoll crröthet; wenn er da, wo Wüstlinge sichdem Trünke und Spiele und'jeder Ausgelassenheit in schimpf-licher Keckheit überlassen, aus falscher Ehrbegicrdc mitmacht, umnicht als ein Tugcndbild von den Ucbrigcn verspottet und ver-lacht zu werden, so spricht der feige Schwächling: Die Klug-heit gebietet es; unter den Wölfen muß man mithculcn; ich hassedas Alles, cs liegt nicht in meiner Gcmüthsart, aber -- eswar Nothlüge.

Wenn Jemand, der ein zartes Gewissen hat bei Beobachtungfremder Bosheit, aber sich es gern verzeiht, wenn er im Handelund Wandel seine Mitmenschen betrügt, übcrvorthcilt, schlechteWaarc für gute gibt, mit Zinsen drückt, so spricht er: Nothhat kein Gebot. Jeder ist sich selbst der Nächste. Das find kleineHandclsvorthcilc, die man erlauben muß.

Wenn Jemand den, den er im Herzen verabscheut, mit ver-doppelter Kriecherei behandelt, bis er ihm die Fallstricke gelegthat; wenn Jemand dem Mächtigen, der sich Schandthatcn undUngerechtigkeiten erlaubt, eben dieser Ungerechtigkeit willen Weih-rauch streut, ihn in seiner Schlechtigkeit bestärkt; wenn er ausMcnschcnfurcht sich scheut, der Wahrheit die Ehre zu geben vorFreund und Feind, so spricht er: Die Großen haben lange Arme.Ich habe keinen Beruf, mich aufzuopfern. Ich will mir keine