168
auf unscrcr Hur sein können. Denn sie entscheidet endlich, obdu einst in glücklicher Zufriedenheit leben, oder durch Verbrechen,die du jetzt noch nicht ohne Schaudern denken kannst, zum größtenElend versinken sollst; ob du durch daö Schwert der Gerechtig-keit, oder als Selbstmörder, oder durch Ausschweifungen irgendeiner Art, oder als Tugendhafter, von den Augen aller gute»Menschen beweint, sterben wirst.
Du erkennst aber die verborgene Empfindlichkeitdeines Gcmüths, aus welcher sich die dunkel» Vorstellungen,Gefühle und Neigungen entwickeln, die dich zum Thun und Lassenbestimmen, an solchen äußern Kleinigkeiten, welchedich besonders in Anspruch nehmen. Dinge, die dich voll-kommen gleichgültig lassen, und kaum eine Bewegung in dirycrvorbringen, sind deiner Tugend ohne Gefahr. Aber da istdeine wunde Seite, wo dich oft eine wahre Kleinigkeit in einebesondere Stinnnnng versetzt.
Habe Acht ans dich, wenn du, ohne zu wissen, war-um, in ganz heiterer Laune bist. Forsche nach: was be-wirkte dies Wohlbehagen in dir? Seit welchem Augenblicke ent-stand cs? Was war in dem Augenblicke geschehen oder geredet?Es wird selten fehlen, daß du nicht endlich die verborgenen Ur-sache» entdecken könntest. Es war ein kleiner, von dir kaum be-achteter Umstand, welcher alle» Andern vollkommen gleichgültigblieb, der in dir daö ganze Wunder bewirkte. Und Wunder ist es,weil es deine eigene Bewunderung erregt, wie eine Kleinigkeit sogroßen Einfluß auf dich haben konnte. Aber habe auf diese Empfind-lichkeit deines Gcmüthes eine besondere Aufmerksamkeit; denn ausihr strömt dein inneres Glück und dein inneres Unglück; ja, auchdein Unglück! Denn wo cs dir unter gewissen Umständen wohlist, wird cs dir unter andern Verhältnissen auch übel sein.