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6 (1853)
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Habe Acht auf dich, wenn dn, ohne zu wissen warum, ver-stimmt und verdrießlich bist. Denke nach: seit welcher Stunde 'seit welchem Augenblick bist dn cs geworden? Welche Kleinig-keit mag diesen Gemüthszustand bewirkt haben? Immer wirstdu eine», wenn auch noch so nnbcdcntcnden Umstand finden, deretwas in deinem Znncrn verletzte. Da ist deine wunde Seite,welche auch nicht aufs leiseste berührt sein will, ohne Schmerzenzu haben! Siche, von daher quellen deine meisten Neigungen,Wünsche, Hoffnungen, Besorgnisse und Handlungsarten; hiersteht der Feind deiner Ruhe, deiner Glückseligkeit im verborgenenHinterhalte; dort lerne dich verwahren. Sage nicht zu deinemSclbsttrostc: o das sind Kleinigkeiten! Wer möchte sich ans der-gleichen ein Gewissen machen? Ich fühle mich keiner schlechtenGesinnung fähig; ich bi» mir keiner schlechte» That bewußt.Hüte dich, denn dn bist, ohne es zu glauben, zur Gesinnungschon fähig, und dieser wird endlich auch die That folgen. Diedunkle Quelle ist vorhanden; endlich wirv der Bach sichtbar,wenn er stärker wird, und nicht mehr zu bändigen, wenn er alsWaldstrom dahinbransct, durch äußere Umstände angeschwellt.

Diese scheinbare» Kleinigkeiten sind so bedeutend, daß wir inder Erziehung der Jugend eben die größte Aufmerksamkeit aufsie richten müsse». Aus ihnen erkennen wir die spätere Denkartund das Schicksal des Kindes. Sie deuten uns an, wo wir demUebcl cntgegcnzuarbeiten haben. Es ist nicht das erstemal,oaß der, welcher als Dieb oder gewissenloser Betrüger in dieHände der Obrigkeit fiel, schon als Kind sein bevorstehendes Un-glück durch einen Hang zu Näschereien, die man kindisch undverzeihlich hieß, oder durch kleine, listige Entwendungen unbe-deutender Dinge, wo man die List noch belachte, oder durch man-cherlei Umgehungen der Wahrheit vcrricth. Es ist nicht das erste-mal, daß der kaltblütige Mörder seine letzte schauderhafte Hand-