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6 (1853)
Seite
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zu wissen, warn,»? Und wenn ich genauer forsche, werde ichgewahr, daß wirklich sehr unbedeutende Kleinigkeiten auf dieStimmung meiner damaligen Laune, auf die Richtung meines da-maligen Willens immer, ich möchte sagen, unbezwingbaren Ein-fluß hatten. Auch i» mir ward das Sprichwort wahr: kleineUrsachen haben oft die größten Wirkungen.

Noch einmal frage ich: Woher diese merkwürdige Erscheinungin mir? Denn wer steht dafür, daß nicht auch setzt noch alleTage Kleinigkeiten den meisten Einfluß auf die Eigenthümlichkcitmeiner Gesinnung habe»?

Der Grund davon liegt wohl schwerlich in den äußern Klei-nigkeiten, die auf mich wirken; denn cS gibt deren in jedem TageMillionen, für die ich ganz unempfindlich bleibe. Der Grundmuß oft in der ganz besondcrn, mir selbst noch unbekannten Be-schaffenheit meines Gemüthcs liegen. Und was ist das Gcmüth?Es ist der Bcrührungs- und Mittelpunkt, worin meine irdischeund geistige Natur in ihrer Wirksamkeit zusammcntreffen; woGeist und Seele ihre Kräfte mit de» Kräften des pflanzenh-istenund thierischcn Lebens gleichsam verschmelzen; wo der Menscheigentlich Mensch ist, während er mit seinem Körperlichen amSranbc, mit seinem Geistigen an Gott hängt.

Hier im Gcmüth, wo die vereinte Thätigkcit des ganzenmenschlichen Wesens wohnt, kann oft eine Reizbarkeit und Em-pfänglichkeit für gewisse Dinge vorhanden sein, die da für Anderefehle, also daß die kleinsten äußern Anlässe, die wir im flüchti-gen Gewühl des Tagewerks kaum recht bemerkt haben, auf unserInnerstes von großer Wirkung werden können. So kann ein Stäub-chen, dessen wir nicht achten, und von denen wir zu Tausendenim Luftmecr umschwebt werden, die peinlichsten Schmerzen er-zeugen, indem cs unser Auge berührt. Hier im Gcmüth ist dasGartenbeet, wo alle unsere Tugenden, alle unsere Fehler ikren