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2!erne dich selbst keime», deine gewaltigsten Triebe, deine ge-heimsten Neigungen und die Ursachen alles dessen, was dich leichtwoher machen, oder was dich leicht verstimmen kann! Dies istder Weisheit Anfang. — Aber dieser erste Schritt zur Lebens-weisheit ist der schwerste, und vielleicht schon darum, weil diemeisten Menschen sich cinbildcn: cs sei nichts leichter als das;Jeder kenne sich selbst besser, denn Andere, und wisse gar gut,warum er so und nicht anders empfindet, begehrt, denkt und handelt.
Oft wirkten die größten Begebenheiten bei weitem nicht sostark auf mich, als sehr geringfügige Zufälle, die ein Andererkaum achtet. Ich denke heute über eine Angelegenheit ganz ver-schieden von ehemals, ungeachtet die Angelegenheit noch ganzunverändert die gleiche sein kann, mit alle» ihren Nebcnumstän-dcn für mich, wie sic'cs sonst war. Ich sehe verschiedene Men-schen, durch ein dunkles Gefühl hingerissen, sich lieben oder Ab-neigung bezeigen, ohne daß sic einander dazu Grund und Anlaßgegeben hätten. Ich sehe den Einen das vorziehcn, was derAndere häßlich nennt, und höre von Diesem dasjenige preisen,was der Andere ohne Wohlgefallen erblickt. — Es thut oft Man-cher Dinge, er weiß selbst nicht warum, und sagt nur: cs ge-fiel mir so; ich fand mich dazu wie mit Gewalt hingetriebcn;ich mußte es thun und konnte nun nicht anders! Es ist nichtsSeltenes, daß bisher wackere Leute unter veränderten Umständenoder auch in ihrer bisherige» Lage plötzlich eine schlechtere Denk-art annchmcn, ohne daß man eine Ursache wahrnimmt, was siedazu bewegen konnte.
Woher dies? Alles in der Welt hat seine Ursachen. Ausleichtsinnigem Wesen, aus nrsachloser Willkür entscheidet sich ge-wiß Niemand mit großer Entschlossenheit für Dies oder Jenes.
Wenn ich mich in meine verlebten Tage zurückversetze, werdeich oft gewahr, daß ich handelte, liebte oder vermied, ohne recht