Ihr aber, denen die Gottheit Gelegenheit cröffneie, aut die-.arten Herzen der Jugend zu wirken, hütet sic, durch eure eigenenErfahrungen gewarnt, daß nicht, was sie Gott gelobt, bloßesWerk aufgeregter, augenblicklicher Gefühle sei, sondern eineZeucht fester Grundsätze von dem, was christlich-edel ist. Nichtsist leichter, als ein zartes Herz durch religiöse Ermahnungen zurühren; nichts ist leichter, als Thränc» hervorzulockcn und kühne,keclenvolle Entschlüsse. Den» Alles macht auf das junge Gemütystärkere Eindrücke. Aber unterrichtet dtc Jugend von ihren Pflichten; kläret ihren Verstand auf; machet ihr das Gerechte, darGute zur Gewohnheit: so bauet ihr die Religion in ibrer Brustgleichsam auf Felscngrund, nicht ans weichen Sand, den rernächste Sturm umwälzt und entführt. Die Empfindnngsvollstenwerdet ihr oft im später» Alter als die Tugeudlosesten beklagthaben; die in ihren Jugcndjahren am schwärmerischsten mit euchbeteten, werdet ihr in spätern Jahren oft als Religionsspötterund Zweifler erblicken und bemitleiden. Dies sind die bösenWirkungen einer unvorsichtigen Belehrung in religiösen Dingen,wo man sich begnügte, Gefühle in Bewegung zu bringen, stattden Wille» des Lehrlings an Ueberzcugungen und Grundsätze zubmven, um den Verstand zu erleuchten.
Aber auch ich will der ersten Liebe gedenken , und meine Ge-lübde Dir wieder erneuern, o Gott, mein Schöpfer, o Jesus,mein Erlöser, mein Seligmachcr! Und was ich einst, übcrmanntvon heiligen Empfindungen, in großen Augenblicken meines Lebensschwor, das will ich nun mit ernstem Willen und voll erhabenerUeberzcugungen vollbringen — denn noch lebe ich in frischer Ju-gcndkrast, noch ist mein Leuchter nicht von seiner Stätte weg-gestoßen.
Höre mich, Allwissender! höre mich, o Du Langmüthigcr, Dueinst mein Richter! Ich weiß, daß nur ein reines Gemüth ein
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