Druckschrift 
6 (1853)
Seite
156
Einzelbild herunterladen
 

ständen, welche das menschliche Her; erschüttern und änvcrn kön-nen, unerfahren in den Denkarten und verschiedenen, Alles vcr.schlingenden Neigungen der Erwachsenen, halten sie Jeden fürso schuldlos und alles Gute wollend, wie sie sich selbst kennen.Denn jeder Mensch hat, um Anderer Werth zu richten, keinenandern Maßstab, als seinen eigenen Werth.

So athmen sie sehr hochherzig nur für das, was schön undedel ist; sie verabscheuen das grobe Laster; ihr Sinn ist offen fürdas Göttliche; die Welt schmückt sich ihnen mit Zaubcrfarbcn;ihre reizbaren Empfindungen sind in beständiger Regung; ihrerungczähmtcn Einbildungskraft schweben nur schmeichelnde Er-wartungen vor; sie verschmähen die Erfahrungen gemeiner Wirk-lichkeit, und trauen sich voller Selbsttäuschung Muth und Kraftgenug zu, immerdar nur das Beste zu thun, das Höchste zuwollen, was Religion und Vernunft darstcllcn. So komme» danndie feierlichen Augenblicke großer Gelübde aber ach! cS kom-men auch die Augenblicke des Leichtsinns, des Erliegens unterden Reizen der sinnlichen Begierden!

Die lebhaften Gefühle, noch vor wenigen Tagen im Diensteines heiligen Glaubens, treten cbc» so schnell in den Dienst»»heiliger Leidenschaften. Das Herz kämpft zwischen Pflichtenund Sünden, und lernt in den Verkettungen der Schicksale Ver-gehungen kennen, von welchen cs ehemals keine Ahnung hatte.Das Leben verliert seinen himmlischen Glanz; die Wirklichkeitwird immer verächtlicher, und doch ist der Mensch mit jedemJahre mehr gezwungen, sich mit ihr zu verbinden. Bald ver-schlingt sie ihn ganz, wen» er sich selbst überlassen im Getümmeldasteht, kein Vater, keine Mutter mehr für ihn sorgt, und erum seine Nahrung, um sein anständiges Fortkommen in der Weltselbst Sorge tragen muß. Neue Bedürfnisse bedrängen nachherden neuen Hausvater, die junge Hausmutter. Wohl sehnen sie