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Lorsätze wieder schwankend werden, weil sie auf einen so un-sicher» Grund gebaut waren, als alle Gefühle sind, die ihrerNatur nach von so kürzerer Dauer sein müssen, je heftiger sicherrschen. Was mein bewegtes Herz in einer schönen Stunderer Begeisterung schwor, oder im Drang unglückseliger Begeben-heiten aus der Tiefe der Nsth gelobte, hätte ich nachmals nichtbloß in Empfindungen festhalte», sondern zur Angelegenheit ruhigerUebcrlegung und fester Grundsätze machen sollen. Dies versäumteich; und ich versäumte es besonders oft in einem Lebensalter, wodie Gefühle überhaupt mächtiger als die ruhig betrachtende Ver-nunft sind. Dahkr kam es, daß mein Lebenslauf leider ein be-ständiger Wechsel von guten Vorsätzen und leichtsinnigen Ver-gessenheiten, von Bcrcuungcn, Kämpfen und neuen Vergehungenward: so daß ich zuletzt an meiner eigenen Besserung ver-zweifelte, oft meine jugendlich frommen Gesinnungen selbst wieSchwärmereien ohne Werth ansehen wollte, und zuweilen nichtan die Möglichkeit glaubte, daß ein Sterblicher ungeachtet allerMühe eine» hohen Grad tugcndlicher, das heißt, christlicherVollendung erschwingen könne.
Dies ist die Geschichte vieler Menschen, die in ihren jüngernJahren gewöhnlich edler» Herzens waren, und nach erhabener»Zielen strebten, denn in ihren später» Tagen; die Geschichte vielerMenschen, welche ihre Herzcnsvcrschlimmcrung mit allen gc-denkbaren Schcingrnndcn bemänteln oder wohl gar rechtfertigenwollten, wozu ihnen die Selbstsucht Vorwände genug darbot.
In der That ist aber auch das jugendliche Alter an sich, wie-wohl ohne sein Verdienst, heiliger, unschuldiger, empfänglicherfür das Erhabene der Religio», als cs die später» Jahre sind.Der Jüngling und rie Jungfrau, kaum den Tagen der Kindheitentgangen, haben von dieser noch immer das schöne Gefühl derUnschuld geerbt. Unbekannt mit den tankend mannigfaltigen Um-