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Niemand gebietet dir da, dein Urthcil über fremde Fehlermit Ernst und Strenge auszusprechen, wo du dazu keinen Berufnoch Hoffnung hast, mit deinem Urthcil etwas Gutes zu bewirken.Hier ist dein Schweigen Weisheit; dein Tadel hinter demRücken des Fehlbaren wäre vielleicht Unklugheit und Wirkungeitler Tadclsucht. Aber Niemand gebietet dir auch, etwas, wasan sich verdammlich ist, lobcnswiirdig a» dcnen'zu finden, derenGunst dir wichtig sein kann. Stehst du in der Nothwcndigkcit,loben zu müssen — wahrlich, kein Mensch ist so ganz schlecht,daß er nicht auch verdienstvolle Eigenschaften besäße: nenne diese,aber schmeichle nicht seinen Fehlern. Er wird dich in jenem Fallehren, weil du sein Gutes anerkennst; er würde dich in diesemFall als einen Heuchler oder als einen getäuschten Kurzsichtigennur verachten.
Und da, wo du darfst — da, wo dein Wort und Urthcilnicht ganz vergebens schallt — nenne das Laster bei seinem Namenmit christlichem Muth, und bezeichne deinen Abscheu ohne Hehl.Wer Christum bekennen will, soll der Hölle keinen Weihrauchstreuen. Wer Gott dienen will, soll nicht der Diener fremderGötzen sein.
Nur der Gerechte in Denkart, Urthcil und That ist Gott lieb,den Edeln thcucr, und selbst den Verworfensten ehrwürdig.
O Vater der Tugenden, o Gott der Wahrheit! stehe Du mirbei mit Deinem heiligen Geist, daß ich Dir nie treulos werde!Amen.