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als Dir o Verzeihung und Gnade! Nie, nie sott wiederdes Lasters Lob, der Tugend Verspottung meine Lippen entweihen,mein Herz besudeln! Wahrheit in Gedanken und Worten sei meinSchmuck vor dem Allwissenden und vor allen guten Menschen!Ach, ich bin von Vielen verkannt: aber gab ich nicht vielleichtdurch meine unbesonnenen und leichtfertigen Reden selbst Anlaßdazu, daß man mich erst im Stillen, und daun lauter, fürschlechter hielt, als ich war?

Rede, wie du denkst! gebietet die Tugend. Rede nichtAlles, was du denkst! gebietet die Klugheit. Zn diesenwenigen Worten liegt ein Schatz erhabener christlicher Lebens-weisheit eingeschlossen.

Rede, wie du denkst. Lobe nicht, was dich dein Herz undGeist verachten heißen; finde nicht vor andern Menschen verzeih-lich, was du in deinem Gewissen für unverzeihlich und gottloshältst. Spotte nicht der Tugend, der Unschuld, der Gewissen-haftigkeit, während dein Herz dir Ehrfurcht dafür gebietet.

Rede nicht Alles, was du denkst. Es ist möglich,daß du oft in Lagen gcrüthst, wo du unter verdorbenen oderauch nur leichtsinnigen Gesellschaften den Wüstling entschuldigen,oder wohl gar preisen hörst; cs ist möglich, daß auf Unkostendes redlichen Mannes Spötter ohne Zartgefühl ihren Witz aus-spenden: aber wer zwingt dich da, in die tadclhaftc Sprache cin-zustimmcn? Wer nöthigt dich, gegen deine bessern Ucberzeugun-gcn zu reden? Verbieten dir deine Verhältnisse, dich unddeine Empfindungen auszusprechcn; findest du den Augenblick un-vorthcilhaft, mit Ernst cinzutreten, und die Worte der Wahr-heit feierlich zu bekennen, wo Alles nur für Scherz und Muth-willc gestimmt ist kein Verhältniß kann dir zu schweigen ver-bieten. Da ist dein Schweigen Rede, da dein Schweigen einstummer Tadel des Unrechts.