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Andere kehlen eins gemeiner Schmeichelei. Sie wollensich beliebt machen, nirgends anstoßcn, und bemänteln daher dieschlechtesten Handlungen derer so gut sie können, bei denen siesich in Gunst setzen möchten. Sic rechtfertigen dann wohl ihrunwürdiges Betrage» sogar mit dcni Vorwand christlicher Men-schenliebe, sanfter Schonung, welche den Fehler Anderer nichtstrenge richten soll. Diese Heuchler — o wie groß ist ihre Zahl! —können sic mit ihren unreinen Absichten auch vor dem allwissendenRichter der Seelen bestehen?
Wieder Andere, und ihre Zahl ist vielleicht die größte, be-handeln gern gewisse Lieblingslaster der Menschen mit Leichtig-keit, oder wollen sogar ein Verdienst daraus machen, weil sicselbst von ihnen nicht frei sind. Im Gefühl ihrer eigenenVerworfenheit wollen sic Sündcngenoffen, Thcilnchmcr ihrerDenkart erheben, oder entschuldige», um sich nicht selbst ver-dammen zu müssen. Sic können cS nicht ertragen, daß mandaö für schlecht halte, dessen sic selbst fähig oder schuldig sind.So halten sic ihrer eigenen Schande Lobreden, und suche» mitwitzigem Scherz ihre Fehler zu verkleinern, indem sie Andere nichttadelhaft finden. Za, im Schmerz über ihre Unwürdigkeit, dieihnen das immerdar wache Gewissen vorwirft, machen sic sogarTugenden lächerlich, die ihnen fehlen, und wollen ihren Verstandbestechen, damit sein Urthcil ihre Handlungen glimpflich richte.
War auch ich immer frei und rein von jenem Vergehen? Warauch ich nicht oft schwach genug, iu Gesellschaften den herrschen-den Ton anzunchmcn, mit welchem das Abscheuliche der Sltten-losigkcit verzeihlich, und die redliche Unschuld als ein Gegenstanddes Spottes und muthwilligcn Scherzes ausgestellt ward?
O, wenn ich mich jemals so weit vergaß-barmherziger
Gott! wenn ich mich aus kleinlichen Rücksichten jemals dahin-reißen ließ, citcln Menschen lieber zu dienen und zu gefallen,