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Das Beschönige» des Lasters ist im Widerspruch mit der Heilig-keit der Religion, welche wir bekennen; ist unwürdig dem Herzenund Mund des Christen.
Jesus Messias, unser Vorbild, obwohl gütig auch gegenSünder, nachsichtig gegen Fehlende, voller Liebe und Erbarmenselbst gegen diejenigen, welche ihn beleidigten und verfolgten,war dennoch nicht schonend gegen Sünden. Er gab bösen Nei-gungen keinen edlern Namen, als sie verdienten; noch wenigersuchte er das als löblich darzustellcn, was unrecht war. Erhaßte die niedrige Schmeichelei und tadelte mit furchtbarem Ernstnicht nur diejenigen, welche Licblingssündcn entschuldigen wollten,sondern auch die, welche Tugenden heuchelten, die sic nie be-saßen. Wer erinnert sich nicht des festen Muthes, mit welchemer den Schriftgelehrtcn und Pharisäern begegnete; wer gedenkthier nicht seiner Worte, mit denen er ihre Schcinhciligkeit niedcr-donnerte, als er sprach: Wehe euch Schriftgclchrten und Pha-risäern, ihr Heuchler, die ihr gleich seid wie die übcrtünchtcnGräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sindsic voller Todtcnbcine und alles Unflathes! (Matth. 23 , 27.)
Und woher denn entsteht in unsern heutigen Gesellschaftendieser leichtfertige, gefährliche, der Christenwürde schlecht gezie-mende Ton, mit dem über unsittlichen Lebenswandel Scherz ge-trieben oder das Unedle gleich einer lobenswürdigcn Sache er-wähnt wird?
Meistens ist daran eine übelvcrstandcne Höflich-keit Schuld. Man schämt sich, das Schändliche mit seinemschändenden Namen zu nennen. ES ist unter gewissen Menschen,die auf Anständigkeit mehr halten, als auf Tugend, viel ver-zeihlicher, etwas Ungerechtes zu thun, als etwas Unschicklicheszu sagen. Ihnen gilt der vorgeschriebene Ton der sogenanntenguten Gesellschaft mehr, als das ewige Gesetz in ihrer Brust.