kcit gcringschätztc, oder nur für unbcdcutend zu halten den Scheinannahm, das wird er endlich in der Thal für sich selbst als eineKleinigkeit achten. Sittcnlosigkcitcn, denen er an Andern eine»angenehmen Namen gab, wird er sich zuletzt selbst verzeihen,wenn er Neigung für sie empfindet. So wird unvermerkt derfeile Heuchler sein eigener Verführer, der Mörder seiner eigenenTugend.
Er wird es! — Und hätte er noch Festigkeit genug, daß erauch die Reinheit seiner Sitten treu bewahrte, während er mitverachtungswürdiger Schlauheit und Geschmeidigkeit das Unreinein Sinn und Thun Anderer beschönigt: so kann er doch nichtverhüten, durch die Unbesonnenheit seiner Worte fremder Unschuldgefährlich zu werden.
Nur Kllzumächtig regt sich die sinnliche, thierische Natur desMenschen, und allzustark ist oft die Lockung der Leidenschaft; —bedarf sic noch zum Siege auch unserer Beredsamkeit, unsersAusmuntcrns, unserer Schutzwörtcr? Wer trägt die Schuld,wenn sich der uncrfahrne Züngling seinen wilden Neigungen über-läßt? Habt ihr nicht selbst mit cucrm Beschönigen des Lastersden Damm durchbrochen, welcher den Strom noch gefesselt hielt?Warum scherztet ihr über verletztes Recht, über vergessene Pflicht?Ihr scherztet damit vielleicht den letzte» Rest heiliger Scheu vor-dem Verbrechen in einer fremden Brust hinweg! — Euer Ein-tzimmcn in den Modcton, welchen Leichtsinnige oder Wüstlingeangabcn, machte euch wider cnern Willen zum Thcilnehmcrmanchcr ruchlosen That; machte euch, ohne cuern Willen, vielleichtzum Urheber manches Familienunglücks, zum Schöpfer mancherSchmerzensthränc! — Ihr wolltet das nicht; aber ihr wußtet es,wie gefährlich es sei, mit Tugend und Sünde wie niit gleich-bedeutenden Dingen zu tändeln. Ihr streutet den Samen derHölle aus: wolltet ihr damit Aernten des Himmels gewinnen?