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lrchc Neigungen zn beschönigen sucht, ein Schmeichler der aller-niedrigsten Art wird? Er lobt, was sein Herz verdammt; erlächelt Beifall zn Unthaten, die, wenn sic gegen ihn ausgeübtworden wären, ihn vielleicht zur Verzweiflung gebracht habenwürden. Wer ist denn niederträchtiger, der, welcher aus Ueber-cilung und leidenschaftlichem böse» Hange sündigt, oder der,welcher mit kaltem Blute das Schändliche bewundert und durchmilde Namen gefällig darstcllt?
Verachtest du in deinem Herzen den schlauen Vcrräther, dentreulosen Freund, den geilen Verführer, den gewissenlosen Richter,den citeln Verschwender — o so bist du nicht minder dir selbstverächtlich, der du Heuchler genug bist, die ekelhafte Sünde mitdem Schleier des Schönen zu schmücken!
Das Beschönigen des Lasters ist aber mehr, als bloß tadclns-wcrthe Modcthorheit — nein, es ist in sich selbst Sünde, wiejede andere; Vcrrath an unscrm eigenen Herzen; Verführung dernoch Unschuldigen! Wer zum Gottlosen spricht: du bistfromm, dem fluchen die Leute, den hasset das Volk,t Spr. Sal. 24, 24.)
Es ist Vcrrath an uuserm eigenen Herzen. Denn wenn wirbilligen und beschönigen mit dem Munde, was unser Gewissenverwirft, tadeln wir damit nicht unsere eigene Tugend, die unserStolz sein sollte? Machen wir uns damit nicht allen cdlernMenschen verdächtig, daß wir ebenfalls fähig wären, das Schlechtezu thun, was wir so freundlich in Schutz nehmen? Beraubenwir uns nicht selbst der Ehre, indem wir Gesinnungen und Tha-tcn Ehre geben wollen, die keine verdienen? — ES ist Vcrrathan unserm eigenen Herzen; denn wehe dem, der über verletztesPflichtgefühl nur lächeln kann, und Laster als lcichte Scherzc,Störungen derLicbc und Glückseligkeit als a n m u t h i g c S ch w a ch -hciten ausgibt. Was er anfangs aus schmeichlerischer Gefällig-VI. 5*