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dercs erwarten? Haben sie nicht Lehre und Warnung in un-zähligen Beispielen von Andern erfahren? Glauben sie alleinmit ihren Thorhciten und Vergehungen eine Ausnahme in dergöttlichen Wcltordmmg, in der Geschichte des Menschenlebens zumachen? — Wehe ihnen, denn sie gehen die Wege Kains, undfallen in den Zrrthum Balaams um Genusses willen, und kom-men um in dem Aufruhr Korä! Sic sind Wolken ohne Wasser,vom Winde umhergetricbcn; kahle, unfruchtbare Bäume, zwei-mal erstorben und ansgewurzelt; wilde Wellen des Meeres, dieihre eigene Schande ausschämucn! (Jud. 1l, 12. 13.)
Und doch ist cs in unfern Tagen eine sehr gemein gewordeneSitte, daß man sich, öfters aus sehr übel angebrachter Höflich-keit, scheut, die Laster und Thorhciten bei ihren wahren Namenzu nennen. Man sucht durch gelinde Ausdrücke die im Schwangegehenden Untugenden milder darzustellen; ja, es wird für Etwasgehalten, wenn mau zu offenbaren Schlechtigkeiten vornehm lächelnkann; wenn man sich stellt oder unverhohlen zeigt, man sei mitdieser oder jener von unfern Vätern für Sünde gehaltenen Hand-lung nicht ganz fremd. Za, man unternimmt es sogar, oft halbim Scherze, oft im vollsten Ernste, entschieden schändliche Dingemit ehrenvollen Bezeichnungen zu schmücken, und Laster zu Tu-genden zu stempeln.
Der feine Betrüger, der Andere um ihr gerechtes Eigenthumbringt, Erben um ihr Erbtheil, Wittwen um ihr Vermögen be-trügt, ehrliche Käufer hinterlistig übervortheilt, heißt nur einkluger Mann, der sich nicht betrügen läßt; ein Mann, der fürdas Seine sorgt.
Den Ehebrecher, den Wollüstling nennt man nur einen Mann,von Lebensart, von gutem Ton. — Den Speichellecker, welchervor seinen Obern kriecht, ihre Thorhciten preiset, ihre Albern-heiten bewundert, mir um sich selbst emporzubringcn, nennt man