Druckschrift 
6 (1853)
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

121

dcr Menschen in Ncligionsangclegenheitcn sind; wie hier in derKirche ein Ncligionslchrcr mit Heftigkeit für das eifert, was erfür wahr halt, und Andere für ewig verdammt hält, welchenicht seines Glaubens sind; wie dort ein Anderer, von dcr gleichenKirche und Glanbenspartei, in vielen Stücken oft schnurstracksdas Gcgenthcil behauptet und nicht minder kräftig zu beweisensucht; wie hier Einer Alles und allein durch seinen Glauben,dort ein Anderer Alles und allein durch seine guten Werke fürseine Seligkeit zu thnn hofft; wie hier Einer durch gewissenhafteBeobachtung des äußerlichen Gottesdienstes und buchstäbliches Be-kennen dcr Glaubcnsformcln genug zu thnn glaubt, dort aberein Anderer gegen das Aeußcrc dcr Religionen überhaupt gleich-gültig ist; wie hier Einer Jrrthum und Unglaube schilt, wasdem Andern heilige Wahrheit und beseligende Ucberzcngung ist,während dieser des Andern Lehre als Wahn und Aberglaubeverachtet.

Aber was sage ich, daß diese Verschiedenheit in GlaubenS-sachcn heutiges Tages auffallend sei! Sic hat von jeher statt-gesunden. In allen Jahrhunderten ward über Glau-be nssragcn Streit erhoben. Streit, der oft, o desfürchterlichen Wahnsinns dcr Sterblichen! zu blutigen, verheeren-den Kriegen entartete. In allen Jahrhunderten waren aiwcreAuslegungen dcr Schrift, andere Vorstellungen der Offenbarung.Woher sonst die Mannigfaltigkeit der Religionen auf Erden?Woher sonst die verschiedenen Kirchcnparteien in den Religions-bekenntnissen selbst?

Was soll ich, als Christ, dcr nach Wahrheit strebt, unterdiesen Umstände» denken und thun? Soll ich irre werden analler Religion? Wie könnte ich cs, da mein ganzes Wissen ohneReligion ein bedeutungsloses Nichts sein würde? Wie könnteich cs, da die gcsammtc Menschheit Religion bekennt, ihren Gott