Zustand derselben nach der Auflösung des Leibes herrschen un-zählige Glaubcnsmciuungen.
Wessen Glaube ist denn nun der beste, der allein wahre? Ihrberufet euch auf die Gründe der lucuschlichcn Vernunft; aber jederAndere beruft sich zu Gunsten seines Glaubens auch darauf. Ihrberufet euch auf die Offenbarungen, welche in der heiligen Schriftfür Christen gcsannnclt sind; aber alle Parteien, alle, die ihrenGlauben vcrtheidigcn und beweisen wollen, thun dasselbe, undlegen die Stellen der heiligen Schrift anders und zum Vortheilihrer Ucbcrzcugnng aus.
Wessen Glaube ist denn nun der beste, der alleinwahre? Darf ich behaupten, daß nur ich allein in meinemUrthcil untrüglich sei; daß nur ich von allem Irrthum rein sei?Bin ich berechtigt, mich für allein weise zu halten, und Andereals Irrende und Verehrer eines falschen Wahnes zu verdammen?
Wessen Glaube ist denn nun der beste, der alleinwahre? Ist eS der Glaube des unschuldigen Kindes? oder derGlaube des thätigcn, unter mancherlei Prüfungen wandelnde»Mannes? oder der Glaube des vielvcrsuchtcn und lang belehrte^Greises? Ist es der Glaube des Nohen und Unwissende», oderder Glaube des Gelehrten und Kcnntuißvollcu?
Wenn mau so die Verschiedenheit der Menschen in ihrenGlaubcnsangclegenhcitcn bemerkt; ja, wenn man bei sich selbstdie Unbeständigkeit seiner eigenen religiösen Vorstellungen wahr-ttimmt, wenn dann der Trieb erwacht zum Forschen nach demBesten und Wahrsten: so ist cs allerdings kein Wunder, wen»ihrer Viele sind, welche dadurch einen herrschenden, oft über-triebenen Hang zum Zweifeln und zum Grübeln in Glaubens-sachcn erhalten.
Noch mehr möchte man beunruhigt werden, wenn man darandenkt, wie außerordentlich verschieden heutiges Tages die Urthcilc