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Glauben. Es ist kein menschlicher Geist, es war keiner, cs wirdkeiner sein, der sich nicht deutlicher oder dunkler allein Geistigenverbrüdert fühlt und verwandt mit dem allerhöchsten Wesen. UndJeder wird durch seinen Glauben beglückt.
Wenn ich aber meine Lebenszeit überdenke, znrückschaue in dieReihe meiner Jahre, so weit die Erinnerung reicht, kann ich mirnicht verbergen, daß der religiöse Glaube, welcher mich jetzt be-seligt , nicht zu allen Zeiten der nämliche war. Ich muß einge-stchen, daß ich meine Vorstellungen von der Gottheit, von meinenVerhältnissen zu Jesu Christo, von der Ewigkeit, von Belohnungund Bestrafung nach dem Tode, sehr oft geändert habe. Ich mußsprechen mit Paulus: Da ich ein Kind war, da redete ich wie einKind, und war klug wie ein Kind. (1. Kor. 13,11.)
Und wer ist mir Bürge, je älter ich werde, je mehr Erfah-rung ich zu machen Gelegenheit habe, je mehr sich mein Ver-stand aufhcitcrt, je mehr Vorurthcile und irrige Meinungen ichfahren lasse, daß ich nicht auch im später» Alter ganz anderereligiöse Uebcrzcugungen, einen anders gestalteten Glauben habenwerde, als gegenwärtig?
Und was ich bei mir wahrnchme: bin ich nicht berechtigt, zuvcrmuthen, daß es auch Andern also ergangen sei? Ist cs nichteine nur allzucutschiedcue Gewißheit, daß jeder Mensch, nachMaßgabe seiner Vcrstandcskräfte, seines Temperaments, seinerbesonder» Schicksale, in religiösen Glaubenssachen oft von An-dern abweiche? Zwar mögen sie Alle in gewissen Hauptstückenmit einander Übereinkommen, aber in tausend Nebenzweigentrennen sie sich. Zwar mögen sie Alle Gott glauben und verehren;aber in der Vorstellung von dem Verhältnisse zu ihm, dem Er-löser, trennen sie sich von einander. Zwar mögen sic Alle andie unsterbliche Fortdauer der Seele glauben, aber über den