Druckschrift 
6 (1853)
Seite
118
Einzelbild herunterladen
 

118

O Glaubt, Quell des reinsten Lichts,Quell göttlich-edler Triebe!

So durch und durch cutsiindigt nichts,

Wie Glaub' an Dich, o Liebe!

Was frommen kalte Grübelei'»?

Waö frommt des Wissens falscher Schein ?Nur wer da glaubt, ist selig.

sinnier wird uns von allen Seiten gesagt, die Religionsei doch zuletzt des menschlichen Lebens höchste Ange-legenheit. Ich selbst empfinde es, und habe cS von jeherempfunden, daß dieses ganze Leben, dieser bunte Wechsel vonLicht und Schatten, von Lust und Schmerz, dieser verworreneTraum, nicht wcrth wäre, gelebt und geträumt zu werden, wen»kein Erwachen vom Traum, keine Lösung der irdischen Näthscl,keine Fortsetzung meines geistigen Daseins, keine Ewigkeit vor-handen wäre. Aber dieses gerechte Erwarten der Ewigkeit, dieunser harrt, diese Verbindung unscrS Geistes mit dem ersten undheiligsten der Geister, dem Könige des Weltalls, dem Urquellunscrs Seins, haben wir. Dies ist unsere Religion, unser bc>scligcnder Glaube. Und welche von allen Angelegenheiten derMenschheit wäre wichtiger?

Daher ist die Religion auch in Aller Brust. Das Kind strecktdeutend die kleine Hand empor zu den Sternen und spricht:Und wer wohnet dort?" ES deutet auf das Grab des Tobten,und fragt:Bleibt er immer in der Gruft?" In den Wetterndes Schlachtfeldes strahlt dem Krieger der Gedanke seiner Unvcr-gänglichkcit; auf den stürmischen Wogen des Lebens, oft demSchiffbruch nahe, blickt der sorgende Mann vcrtrauenSrcich zumLenker aller Schicksale empor; und der abstcrbendc Gws lächeltgetrost beim Hinschwinden der Leibeskräfte: Ich werde nicht ganzkerben! Jeder bewahrt in seinem Herzen einen frommen