Wie tief betrüben sie mich! — Es ist schon beruhigend, zu wissen,daß Undankbarkeit der Kinder gegen Acltern nur eines der selte-nem Laster ist, und daß diejenigen, welche sich damit beflecken,schändliche Ausnahmen des menschlichen Geschlechts sind, so vielEmpfindsamkeit, Verstand, Tugendfinn oder wohl gar Religionsie auch immerhin heucheln mögen.
„JhrKinder, seid gehorsam euernAcltern in demHerrn, denn das ist billig!" spricht die heilige Schrift:„Ehre Vater und Mutter; das ist das erste Gebot,das Verheißung hat, auf daß dir'swohlgchc, und dulange lebest auf Erden!" (Ephes. 6, 1—3.)
Verehre deine Acltern, und gehorche ihnen in deiner Jugend,denn sie stehen bei dir an Gottes Statt. Sie gaben dir dasLeben; sic gaben dir Nahrung und Freude, da du ihnen noch nichtsgeben konntest, als Sorge und Angst. Sie wachten für dein zeit-liches Wohl, für dein Gesundheit, für deine Ehre. Sic wachtenfür die Güte deines Herzens und bildeten dich schon für die Ewig-keit, da du noch kaum das irdische Leben recht kanntest. Gehorcheihnen; ihr Wille sei der deinigc. Zu unserer Liebe zu Vater undMutter übet und entwickelt sich auch unsere Liebe zu Gott. DieLiebe zu den Acltern ist die erste Religion des Kindes; aus die-ser Liebe quellen, oder mit ihr verbinden sich nachher alle übrigenTugenden des Menschen. Wer seinen Vater von Herzen ehrtwer seine Mutter von Herzen liebt, der ist zu allem Guten undGroßen fähig; diese Ehrfurcht ist der starke Schutzengel der kind-lichen Unschuld, und der eiserne Stab, an welchem sich auch derGefallene wieder aufrichtet.
Gehorche Vater und Mutter, o mein Kind, aber mit freudi-ger Seele und ohne Murren; denn was dir zum Besten dienet,das wissen sie am besten. Ihre Erfahrung ist dir zur Weisheit.