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6 (1853)
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Sie mögen dich küssen oder strafen, immer ist's ihre Liebe, diedich belohnt, ihre Liebe, die dich straft.

Ehre Vater und Mutter, nicht nur durch die Unterwürfigkeitdeines Willens, so lauge du unmündig und ihrer Fürsorge über-lassen bist, sondern auch durch dein äußerliches Betragen, durchliebevolle Ehrerbietung in Worten, Gebenden und Handlungen,wenn du nicht mehr unter ihrer unmittelbaren Obhut stehst. -Mangel des Zartgefühls, der Schonung, der Hochachtung undEhrerbietung im Acußerlichen vcrräth ein rohes Gemüth, zugrößcrn.Vcrgchungcn fähig. Das Auge und das Wort des Men-schen sind die Verkünder seines inucrn Werthes oder Unwcrthcs.Ehre deine Aelter»; denn indem du die mit kindlicher Achtungbehandelst, von denen du hcrstammst, ehrest du dich selber.

Ehre deine Acltern, auch wenn du nicht mehr ihrerLeitung unterworfen bist, und vergiß nie, waö siedir Gutes gethan haben! Ehre den Vater, der deinetwillenmanche sorgenvolle Nacht durchwachte, wen» du kummerlos cin-schliefst; der für dich betete, wenn du freudig deinen Spielennachjagtcst; der sich manche Freude versagte, um sie dir aufzu-sparen; der manchen Tropfen Schweißes vergoß, um dir in derWelt ein gemächliches Loos zu verschaffen. Ach, er hat so langeund nur für dich gelebt, o Jüngling, o Tochter, lebe nun dank-bar auch für ihn. Ehre die Mutter, welche dich mit Schmerzengebar, und schon über deiner Wiege Thräncn der Liebe und desKummers weinte. Womit willst du diese Liebe, diesen Kummer,riese Thränen vergelten, wenn nicht mit den zärtlichsten Auf-merksamkeit für ihre spätem Tage? Denke, wenn du einen frohenSäugling an seiner Mutter Busen erblickst: so lagst auch du einsthilflos an der Brust der deinigen, und von Niemandem so heißgeliebt, als von ihr. Denke, wenn du eine Mutter voll Ent-zückens miit ihrem Kinde tändeln, oder sie mit bleichgchürmter