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6 (1853)
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Keinen zu scheuen. Er beklagt den Lasterhaften; er liebt denRechtschaffenen, und steht Jedem offen zur Rede. Sein Gcmüthlebt in ewiger Heiterkeit. Die Freude, welche ihm die wechselndeStunde reicht, genießt er mit vollen Ziigen, und das Unglück,welches ihn überrascht, trägt er mit männlichem Muthe; ihnstärkt das Gefühl: du warst eines bessern Schicksals wcrth, undhast deine Leiden nicht verschuldet. Gott ist niit dir.

Seht die verfolgte Unschuld: mit dem Stolze eines reinenGewissens verläßt sie den gräuelvollcn Palast, und wählt denBettelstab; mit göttlicher Ruhe spricht sie zu ihren Verfolgern,wie Jesus einst in Gethsemane: ich bin cS, den ihr suchet. Ir-dische Schmach kann sie nicht entehren, alle Trübsal ihr nicht denhimmlischen Frieden entreißen. Der Kerker verwandelt sich vorihr in Anmuth, und soll sic das Blutgerüst besteigen, da feiertsie ihren höchsten Triumph; es ist eine Verherrlichung ihrer selbst;über ihrem Grabe weinet die Nachwelt.

Dem Manne, welcher mit heitcrm Bewußtsein Handel» kann,vertrauen Hohe und Niedere. Er steht unabhängig; er ist einFürst, wenn auch nur im schlichten Gewände. Denn die ihn ken-nen ; müssen ihn ehren; vor Thron und Nlchtcrstuhl steht er ohneFurcht, und dem Tode sicht er lächelnd ins Auge.

Ein frohes Gewissen ist ein Himmel im Herzen, gibt Herr-schaft über die Bösen, ist ein Schutzgott in der Noth, ist einAnker im Sturm und das weichste Stcrbckiffcn.

Heiliger, heiliger Gott! Ach, daß dieser unnennbare Friededes reinen Bewußtseins mein Eigenthum sein möchte immerdar;Daß ich nie vor mir, nie vor Dir, nie vor Andern crröthendürfte wegen meiner Handlungen! Daß ich nie die Schreckeneines bösen Gewissens, nie den Schlangcnzahn der Reue in meinemHerzen fühlen dürfte! Daß ich unschuldvoll und rein mit kind-lichem Gemüthc im Gewühl dieses Lebens bleiben möchte!