Druckschrift 
6 (1853)
Seite
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Die Plage deö bösen Gewissens mischt sich in alle unsere Ver-gnügungen. Gelingt cs dem Bösewicht, sich selbst in den Zer-streuungen des Tages zu vergessen! das Andenken an sein Un-recht schleicht gcspcnstcrhaft in der Nacht an sein Bette. Er sehntsich nach dem Schlafe, aber die Erinnerung verfolgt ihn in schwe-ren Träumen. Mancherlei und groß können menschliche Leidensein, aber nur eines ist das schrecklichste von allen cs ist dieGewissensangst. Sic haßt den Sonnenschein, der ein Ver-brechen beleuchten könnte, und schaudert vor der Dunkelheit derNacht, worin Vcrräthcrci zu schleichen pflegt. Sic flicht dieEinsamkeit, wo das Gedächtniß der begangenen Schandthat nurlauter wird, und flicht die Gesellschaft, um nicht ihre eigeneBcrrätherin zu werden.

Unaufhörlich zittert das schuldbewußte Herz vor dem Augen-blick, welcher der letzte seines Geheimnisses ist. Aber die Peinder Furcht und der ewigen Vorwürfe steigt endlich so hoch, daßder Sünder, um von der Höllenangst frei zu sein, selbst hincilt,und sei» Vergehen bekennt. Wie mancher Mörder hatte keineRuhe mehr, bis er zum Richter lief und seine Schuld offenbarte!Wie mancher Betrüger lag ans dein Todtcnbettc, und konntenicht sterben, bis er an dem Betrogenen oder dessen Kindern seineSchuld wieder gut gemacht hatte!

Dies ist die furchtbare Macht des Gewissens! Es kann eineZeit lang übertäubt, nie unterdrückt werden. Es erwacht, undje später, desto entsetzlicher. Der Sünder wird der Raub seinerReue, er muß die Frucht seiner Schande ärnten, und wäre eserst am Rande des Grabes, wo er trostlos verzweifelt.

Das Gewissen lohnt! So göttlich lohnt cs, als dieverschmähte Tugend furchtbar rächt.

Wer ein frohes Bewußtsein hat, sicht in allen Menschen, dieihm begegnen, nur Freunde. Er weicht Niemand aus; er hat